Doping

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Das zuletzt 2010 aufgelegte Buch „Anabole Steroide – Das Schwarze Buch“ war an Bodybuilder und Kraftsportler adressiert, hielt jedoch auch im Leistungssport und fataler Weise selbst im Breitensport Einzug. Einleitend daher der wohlgemeinte Rat: Finger weg von diesem Buch! Es ist eine – wenn auch gelungene – Anleitung zum Arzneimittelmissbrauch!

Auf der Bücherseite dieser Homepage wurde das (Anti-)Dopingbuch von Thomas Riedl vorgestellt und erwähnt, dass sich dieses auf dem Gültigkeitsstand 2012 befindet. Für das Jahr 2013 wurde dem Buch ein Aktualisierungsblatt beigegeben. Ab sofort – also mit der Gültigkeit 2014 – findet die weitere Aktualisierung auf dieser Seite statt. Die im Buch besprochenen Grundlagen zu den einzelnen Dopingmitteln und -methoden sowie die Gedanken zu den erlaubten Arzneimitteln für Sportler stellen aber nach wie vor einen breiten Einstieg in die Materie dar.

 

Dopingverbotsliste 2016

 

Nachdem das Doping-Update 2015 bedauerlicher Weise keinen Eingang in die Apothekerzeitung fand, müssen mit dem aktuellen Bericht 2016 die Neuerungen von zwei Jahren aufgearbeitet werden. In der Tat weist aber die Verbotsliste 2016 von zwei Ausnahmen abgesehen nur marginale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr auf, sodass sowohl Liste als auch Kommentare weitgehend aus dem Stand 2015 übertragen werden können.

In Bezug auf Doping ins mediale Rampenlicht gelangte im vergangenen Jahr insbesondere die Leichtathletik. Im engeren Sinn soll es in Russland und Kenia gröbere Missstände geben, und auf der Ebene des Leichtathletikweltverbandes sollen positive Dopingproben zum Schutz der getesteten Athleten zum Verschwinden gebracht worden sein. Dies ist umso bedauerlicher als die Leichtathletik zu den olympischen Kernsportarten zählt.

Neu an der Verbotsliste 2016 ist ihre grafisch ansprechende und übersichtliche Gestaltung. Die nach wie vor alphabetische Nennung von Substanzbeispielen folgt nicht mehr dem fortlaufenden Zeilenumbruch sondern ist tabellarisch abgedruckt. Klug eingesetzter Fettdruck trägt zur raschen Orientierung bei.

Die angesprochenen Ausnahmen betreffen erstens die Aufnahme der Substanz Meldonium aus dem Monitoring Programm 2015 in die Verbotsliste 2016, wofür unter den S4.5 Metabolischen Modulatoren ein eigener Unterpunkt geschaffen wurde. Die zweite Neuerung ist die Erweiterung der Insuline S4.5.2 um die „Insulin-mimetischen Wirkstoffe“, wobei diese Formulierung aus pharmakologischer Sicht sehr unpassend gewählt wurde und es einer detaillierten Erläuterung bedarf bzw. bedürfen wird, was die WADA darunter versteht.

Der gegenständliche Artikel ist im Wesentlichen auf die Verbotsliste 2016 beschränkt, die Langform inklusive den Kommentaren zu den bereits per 2015 schlagenden Veränderungen kann unter www.engelapo.at abgerufen werden.

Sektion I: Substanzen (S) und Methoden (M), die im Training und im Wettkampf, d.h. zu jeder Zeit verboten sind, „In- and Out-of-Competition“

 

Substanzen

 

S0 Nicht zugelassene Substanzen

 

z.B. Substanzen in der Pipeline oder klinischer Prüfung, Wirkstoffe, die nach pharmakologischen Testungen keine Zulassung erhielten

 

S1 Anabole Substanzen

 

S1.1 Androgene anabole Steroide (AAS)

S1.1a Exogene AAS, z.B. Danazol, Nandrolon, Stanozolol, Tetrahydrogestrinon, sämtliche direkte Abkömmlinge von Testosteron

S1.1b Endogene AAS, wenn sie von außen zugeführt werden, z.B. Androstendion, Dihydrotestosteron, 19-Norandrosteron, Testosteron, Epitestosteron, Prasteron (= Dihydroepiandrosteron, DHEA)

 

S1.2 Andere anabole Wirkstoffe

z.B. Clenbuterol, Selektive Androgen Rezeptor Modulatoren (SARMs, z.B. Andarine und Ostarine), Tibolon, Zeranol, Zilpaterol

Kommentar: Die Erwähnung der Beispiele Andarine und Ostarine 2015 ist neu. Das Dopingbuch des Apothekerverlags gibt schon seit 2012 Auskunft über diese dem Antiandrogen R-Bicalutamid strukturverwandten Verbindungen. SARMs gelten als partielle Androgenrezeptor-(AR)-Agonisten in androgenen Geweben und als vollwertige AR-Agonisten in anabolen Geweben, wobei neuere SARMs eine androgene Wirkung von 3-15% bei einer anabolen Aktivität von 100% im Vergleich zu DHT aufweisen. Weitere Substanzen wie BMS-564929 und LGD-2226 sind in der Pipeline.

 

S2 Eiweißhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und (synthetische) Mimetika

 

S2.1 Erythropoietin-Rezeptor-Agonisten

S2.1.1 Erythropoiese-stimulierende Wirkstoffe, z.B. Darbepoetin (dEPO); Erythropoietine (EPO); EPO-Fc (Fusionsprotein); Epo-mimetische Peptide (EMP), z.B. CNTO 530 und Peginesatide; sowie Methoxy-polyethylenglycol-Epoetin-beta (CERA® = Continous Erythropoiesis Receptor Activator)

S2.1.2 Nicht-erythropoietische EPO-Rezeptor-Agonisten, z.B. ARA-290, asialo-EPO und carbamyliertes EPO

Kommentar:

·  Im Sinne eines verbal präziser abgesteckten Rahmens werden die „Mimetika“, i.e.S. synthetische Agonisten an EPO-Rezeptoren, in die Klassenbezeichnung S2 aufgenommen.

·  Beim EPO-Fc ist das EPO-Molekül mit dem kristallinen Fragment eines Antikörpers zu einem Fusionsprotein verknüpft. Da das Lungenepithel eine hohe Dichte an so genannten FcRn-Rezeptoren aufweist, die mit dem Fc-Fragment interagieren, wird EPO-Fc in Form eines Inhalationssprays rasch in der Lunge aufgenommen und in den Blutkreislauf transportiert. Die Fc-Einheit des Fusionsproteins sorgt zudem dafür, dass die Serumhalbwertszeit gegenüber freiem EPO deutlich verlängert ist. Ähnlich wie bei CERA® verhindert auch in diesem Fall die außerordentliche Molekülgröße die Ausschleusung über die Niere. Zum anderen wird EPO-Fc nach Endozytose durch Erythroblasten über den endosomalen Rezyklisierungsweg wieder in den Blutkreislauf abgegeben und steht so erneut zur Verfügung.

·  Da bei CNTO 530 nicht mehr Erythropoietin selbst, sondern ein neues Peptid mit dem Fc-Fragment von humanem IgG4 fusioniert ist, das an EPO-Rezeptoren die Erythropoiese anfacht und zur Transzytose befähigt ist, spricht man in diesem Fall von einem EPO-mimetischen Peptid. Das zweite gelistete Beispiel, das Dimer-Peptid Peginesatide, an das zusätzlich eine Polyethylenglykol-Kette angehängt wurde, steht schon seit längerem auf der Verbotsliste (Hematide®).

·  Von hoher Brisanz ist schließlich der neu geschaffene Punkt S2.1.2, der Wirkstoffe einschließt, die zwar an EPO-Rezeptoren agonistisch wirken, jedoch nicht die Erythropoiese ankurbeln. Nach den zunächst eher entmutigenden Aussichten nach Olympia 2014 möchte die WADA zeigen, dass sie sehr wohl am Puls des Geschehens ist. Man könnte die Wirkstoffe dieser Gruppe schlagwortartig als aus Erythropoietin modellierte Neuroprotektiva bezeichnen. Eine für die Belange des Sports maßgebliche verbotene „Restwirkung“ sind zentralstimulierende Wirkungen.

·  Substanzbeispiele wie ARA-290 entstehen, indem vollwertiges Erythropoietin systematisch verkleinert wird. Schritt für Schritt gehen die Fähigkeit, die Erythropoiese anzuregen aber auch die eher negativ zu sehenden hämodynamischen Wirkungen wie Erhöhung des Hämatokrits nebst der Gefahr von Kreislaufträgheit und thromboembolischen Ereignissen, verloren. Übrig bleiben Peptide mit neuartigen Eigenschaften, die z.T. bereits Orphan Drug Status erreicht haben. ARA-290 wurde zur Behandlung des neuropathischen Schmerzgeschehens bei Patienten mit Sarkoidose, die zu den granulomatösen Entzündungserkrankungen zählt und meist die Lunge befällt, zugelassen.

·  Carbamyliertes EPO zeigte sich als wirksam in Tiermodellen zum Schlaganfall, in experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitiden (EAE), Verletzungen der Wirbelsäule und diabetischer Neuropathie. Im Unterschied zu EPO bindet es nicht an den klassischen heterodimeren EPO-Rezeptor, sondern benötigt für die neuroprotektiven Wirkungen die so genannte Beta-Kette des IL-3/IL-5/GM-CSF-Rezeptors, die sich funktionell an dem EPO-Rezeptor anlagert.

·  Ein weiteres Beispiel, asialo-EPO bindet allerdings an den klassischen EPO-Rezeptor. Da es nur eine kurze Halbwertszeit hat und zur Erhöhung des Hämatokrits persistierende EPO-Spiegel vorhanden sein müssen, bleiben auch bei dieser Verbindung die neuroprotektiven Wirkungen übrig. Im Übrigen wird asialo-EPO aus dem gentechnisch veränderten Moos Physcomitrella patens rekombinant hergestellt, die Pflanze erledigt sogar das korrekte Anheften von Zuckerresten an das Protein. Die Forschungen nehmen ihren Ausgang der Erkenntnis, dass EPO bei Sauerstoff-Mangel in unterschiedlichen Geweben im menschlichen Körper hergestellt wird, wenn die Sauerstoff-Zufuhr zum limitierenden Faktor wird. Das Hormon schützt die Areale durch die Hemmung der Apoptose. Asialo-EPO wird in Richtung Hirnschlag, durch Diabetes verursachte Augenschäden sowie Schädigungen des peripheren Nervensystems erforscht werden. Auch die amylotrophe Lateralsklerose könnte ein Entwicklungsschwerpunkt für asialo-EPO und carbamyliertes EPO sein, wo man von einem geringeren Verlust an Motoneuronen und einer verringerten Aktivierung von Astrozyten und Mikrogliazellen profitieren könnte.

·  Man beachte im Übrigen den Aspekt, dass die Wirkstoffe unter S2 nicht-spezifiziert, d.h. im Entdeckungsfall nicht verhandelbar sind. In einem gewissen Sinn ist die geschlossene Nennung der EPO-Rezeptor-Agonisten sogar als Schutzbestimmung für einfachere Gemüter unter den Spitzensportlern zu werten, die angelockt von klingenden Bezeichnungen unter S2.1.2 in eine Doppelmühle zu geraten drohen, indem sie sich mit für ihr Begehren untauglichen Wirkstoffen selbst wegköpfeln.

·  Zum Schluss bleibt die Frage, ob es sinnvoll ist, eine Wirkstoffgruppe, die etwas expressis verbis nicht tut, gewissermaßen als Kontrast zu den harten Substanzen der Gruppe in einem Atemzug auf die Dopingliste zu setzen. Als Untergruppe der Stimulanzien kommen sie nicht die Erythropoiese stimulierenden Verbindungen natürlich auch nicht in Frage, weil sie dann während der Trainingsperiode nicht verboten wären. Eventuell könnte man sie in die metabolischen Modulatoren auslagern.

 

S2.2 Hypoxie-induzierbarer Faktor (HIF)-Stabilisatoren, z.B. Cobalt und FG-4592; HIF-Aktivatoren, z.B. Argon, Xenon

Kommentar:

·  Die durchgreifende neue Systematik der vormals S2.1 Erythropoiese-stimulierenden Stoffe bedingt zur besseren Übersichtlichkeit die Abgrenzung der noch per September erweiterten Substanzen, die den Hypoxie-induzierbaren Faktor entweder stabilisieren oder aktvieren in einer eigenen Untergruppe S2.2. Waren im September die Edelgase Xenon und Argon als HIF-Aktivatoren und absolute Neuzugänge genannt, gibt es per 2015 auch Beispiele für die schon seit längerem vermerkten HIF-Stabilisatoren (gleichbedeutend mit Hemmstoffen der Prolylhydroxylasen), nämlich Cobalt und FG-4592 (auch unter ASP1517 bekannt). Das am Stickstoff substituierte, oral zu verabreichende Aminoessigsäure-Derivat FG-4592 wird für Patienten mit Anämie infolge chronischen Nierenerkrankungen entwickelt.

·  Anmerkung 1: Auch Vitamin B12 (Cyanocobalamin) entfaltet HIF-aktivierende Wirkungen. Es wurde aber noch nicht in die Verbotsliste aufgenommen, ist aber möglicherweise bereits ein Kandidat!

·  Anmerkung 2: In der Literatur finden sich Hinweise, dass der Eisen-Chelatbildner Deferoxamin indirekt HIF stabilisiert, indem Eisen-abhängig arbeitende Prolylhydroxylasen gehemmt werden. Auch diesen Wirkstoff wird man daher in Hinblick auf Doping und EPO im Auge behalten müssen.

 

S2.3 Choriongonadotrop(h)in (CG) und Luteinisierendes Hormon (LH) bei männlichen Athleten samt den zugehörigen Releasing-Faktoren, z.B. Buserelin, Gonadorelin und Leuprorelin. (Der Wirkstoff Triptorelin war auf der Liste 2015 und wurde 2016 gegen Leuprorelin ersetzt.)

S2.4 Corticotrop(h)ine samt den zugehörigen Releasing-Faktoren, z.B. Corticorelin

S2.5 Wachstumshormon (GH) inklusive seiner Releasing-Faktoren, z.B. Growth Hormone Releasing Hormone (GHRH, Somatoliberin) und seine Analoga, z.B. CJC-1295, Sermorelin und Tesamorelin; Growth Hormone Sekretagoga (GHS), z.B. Ghrelin und Ghrelin-Mimetika, z.B. Anamorelin (Zulassung gegen Auszehrung bei Krebserkrankungen erwartet[12]) und Ipamorelin; sowie Growth Hormone-Releasing-Peptide (GHRPs), z.B. Alexamorelin, GHRP-6, Hexarelin und Pralmorelin (GHRP-2)

Die übrigen Wachstumsfaktoren bleiben mit Ausnahme des aus vormals S2.4. Wachstumshormon hierher verschobenen IGF-1 ident mit der Aufzählung der Vorjahre: Fibroblast Growth Factors (FGFs), Hepatocyte Growth Factor (HCF), Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) und seine Analoga, Mechano-Growth-Faktors (MGFs), Platelet-Derived Growth Factor (PDGF), Vascular-Endothelial Growth Factor (VEGF)

Kommentar:

·  Die ursprünglichen Gruppen S2.2-S2.4 rutschen in der Zählung um eins nach hinten, also S2.3-S2.5.

·  Die Erwähnung von Substanzbeispielen wie Buserelin, Gonadorelin und Triptorelin unter S2.3 (bisher S2.2) ist als Erläuterung zu verstehen, denn sie waren bereits unter den Releasingfaktoren des CG und LH (bei Männern) erfasst. Ähnlich ist es mit Corticorelin unter S2.4 (bisher S2.3).

·  Somatoliberin ist ein Peptid mit 40 Aminosäuren (AS), die Analoga bewegen sich ebenso im Bereich von 28-44 AS. Im Vergleich dazu besteht Wachstumshormon selbst aus 191 AS.

·  Bemerkenswert ist die aber Aufnahme einer Reihe von Wachstumshormon-Analoga sowie direkt und indirekt Wachstumshormon-freisetzenden Substanzen in S2.4. Auch zu Wirkstoffen wie Ipamorelin, Hexarelin und GHRP-6 wurde bereits im Dopingbuch berichtet. Mit der Erhöhung der Freisetzung von GH ist stets auch ein Ansteigen der IGF-1-Spiegel gekoppelt.

·  Bei Ipamorelin, das gespritzt werden muss, beträgt die Dosierung 0,2-0,3 mg zwei bis dreimal täglich. Für die Injektion wird die Verwendung von dünnen Insulinnadeln empfohlen. Die Anwendung kann zu jeder Tageszeit erfolgen. Um Wachstumshormon maximal freizusetzen, erscheint die Anwendung einer Ipramorelin-Dosis 30-45 Minuten vor einer erschöpfenden Belastung („Work-out“) ideal. An unerwünschten Wirkungen werden Kopfschmerzen und spürbarer Blutandrang zum Kopf angegeben (Flush).

·  Ghrelin selbst ist ein aus 28 Aminosäuren bestehendes den Appetit stimulierendes Peptid, das in erster Linie aus P- und D1-Zellen entlang des Fundus im menschlichen Magen sezerniert wird, um biochemisch den Bedarf an einer Mahlzeit anzuzeigen. Sein physiologischer Gegenspieler ist  Leptin, das vom Fettgewebe produziert wird und ein Sättigungsgefühl erzeugt. Es könnte eine Strategie der Adipositas-Therapie sein, den Ghrelin-Spiegel niedrig zu halten, sodass das Verlangen nach mehr Essen schon relativ früher gestoppt wird. Ghrelin ist aber vor allem auch ein potentes Wachstumshormon-Sekretagogum – nicht zuletzt versteht sich die Bezeichnung Ghrelin in Anlehnung an andere Hypophysen-Mimetika als Verballhornung der Funktion „Growth hormone-relin“. Ghrelin bindet im Hypophysenvorderlappen an die GHS-R1a-Splicingvariante des Wachstumshormon-Sekretagogum-Rezeptors, der in hoher Dichte in der Hypophyse, im Hypothalamus sowie im gesamten Verdauungstrakt vorkommt. Eine weitere Bedeutung hat Ghrelin in hippocampalen Strukturen, wo es um kognitive Anpassungen und Lernprozesse geht.

·  GHRP-6 ist ein injizierbares Peptid, das neben fettabbauenden und muskelaufbauenden Wirkungen wegen seiner appetitanregenden und entzündungshemmenden Wirkungen gegenüber anderen GHRPs bevorzugt werden könnte. Insbesondere die Ausheilung von Sehnenscheidenentzündungen soll in einschlägigen Kreisen gut dokumentiert sein.

·  War also bisher nur das Wachstumshormon selbst verboten, verlegten sich die Dopingdelinquenten offenbar geschickt darauf, dieses mittels der nicht ausdrücklich verbotenen, aber verfügbaren Wirkstoffe zu titrieren und optimal für die Zwecke der Fettverbrennung und des Muskelaufbaus zu nutzen. Mit der massiven Erweiterung der Dopingverbotsliste 2015 ist diesen dunklen Machenschaften ein Riegel vorgeschoben, denn es genügt nicht länger, nur die Endkonzentration an GH im Auge zu behalten! Es versteht sich, dass die WADA das Verbot aller genannten Substanzen wirksam nur verfügen kann, wenn das analytische Instrumentarium der Dopingkontroll-Labors entsprechend ausgereift ist.

·  Der Insulin-like Growth Factor (IGF-1), der noch in der letzten Version 1. September 2014 neben dem Wachstumshormon gereiht war, findet sich ab 2015 unter den zusätzlich gelisteten verbotenen Wachstumsfaktoren. Inhaltlich ändert sich natürlich nichts.

·  Anmerkung: Blutplättchen-Konzentrate, die für die Zwecke des Blood-Spinning in der Unfallchirurgie zur rascheren Wundheilung eingesetzt werden, sind nicht verboten (nur 2010 waren sie es).

 

S3 Beta-2-Agonisten

 

z.B. Bambuterol, Fenoterol, Formoterol, Salbutamol, Salmeterol

Es bestehen einige praxisrelevante Ausnahmebestimmungen betreffend die Wirkstoffe Formoterol (54 μg/24 Stunden bzw. < 40 ng/ml Urin), Salbutamol (1600 μg/24 Stunden bzw. < 1000 ng/ml Urin) und Salmeterol (sinnvolle Dosierung gemäß den Herstellerangaben dem Sportler überlassen)

 

S4 Hormon-Modulatoren und metabolische Modulatoren

 

S4.1 Aromatase-Inhibitoren, z.B. Aminoglutethimid, Anastrozol, Androstatriendion (6-Oxo-Derivat per 2016 gestrichen), Exemestan, Formestan, Letrozol, Testolacton

S4.2 Selektive Estrogen Rezeptor Modulatoren (SERMs), z.B. Raloxifen, Tamoxifen, Toremifen

S4.3. Andere Antiestrogene, z.B. Clomifen, Cyclofenil, Fulvestrant

S4.4. Stoffe, die die Funktionen von Myostatin beeinflussen, insbesondere die Hemmstoffe von Myostatin

  • S4.5. Metabolische Modulatoren
  • S4.5.1 AMPK (Agonisten der Achse PPARd-AMP-aktivierte Proteinkinase), z.B. AICAR, und Peroxisomen-Proliferator-aktivierte d-Rezeptor-Agonisten (PPARd), z.B. GW1516
  • S4.5.2 Insuline und Insulin-Mimetika (Neuaufnahme 2016)
  • S4.5.3 Meldonium (2016 aus dem Monitoring Programm 2015 hierher verschoben)
  • S4.5.4 Trimetazidin (2015 aus den Stimulanzien S6.b in diese neu begründete Gruppe verlagert)
Kommentar:

·  Anstelle der Buchstaben-Aufzählung a-c werden ab 2015 Zahlen benutzt

·  S4.5.2 Im WADA-Kommentar zur Neuaufnahme von Insulin-Mimetika heißt es lapidar, dass damit alle Insulinrezeptor-Agonisten erfasst werden sollen, was man aus derzeitiger Sicht als bare Münze ansehen sollte. Insbesondere sind nicht die diversen Inkretin-Mimetika gemeint, die einen wesentlichen Teil der Typ-2-Antidiabetika stellen. Die Sulfonylharnstoffe und Glinide unterstützen die Insulin-Freisetzung, sind also Releaser für körpereigenes Insulin und damit nicht verboten. Die Glitazone haben einen indirekten Wirkmechanismus als Sensitizer für bereits vorhandenes Insulin. Ebenso wenig imitieren GLP-1-Analoga und DPP-4-Inhibitoren die Wirkung von Insulin am Rezeptor. Die genannten Substanzgruppen sind daher nicht mit den „Insulin-Mimetics“ auf der Verbotsliste gemeint. Wer allerdings dem Begriff „Insulin-Mimetika“ in Internetsuchmaschinen nachgeht, erhält Links praktisch ausschließlich zu Inkretin-Mimetika, d.h. der Zusammenhang zwischen den Arzneimittelgruppen ist offenkundig. Die WADA wird nicht umhin kommen, ihre Vorgabe „Insulin-Mimetics“ zu präzisieren. Ein Vorschlag wäre die Formulierung direkte Insulinrezeptor-Agonisten, ein entsprechendes E-Mail wurde bereits versendet. Im Internet stößt man ferner auf den Begriff „Insulin Mimickers“, der zu diversen Nahrungsergänzungsmitteln mit unklarer Zusammensetzung führt. Möglicherweise möchte die WADA nur hinsichtlich dieses Aspekts einen Riegel vorschieben. Über neue Entwicklungen in der Interpretation des Begriffes „Insulin-Mimetika“ wird anlassbezogen berichtet werden.

·  S4.5.3: Meldonium (z.B. Mildronat®, Mildroxyn®, beide Russland) wurde bereits per 2015 als Wirkstoff mit potenziell dopinginhärenten Wirkungen am Herzen erkannt und auf die WADA-Watchlist gesetzt. Nur ein Jahr später fällt er bereits unter die metabolischen Modulatoren, weil im Probejahr eine weit verbreite Einnahme mit dem Ziel der Leistungsverbesserung nachgewiesen wurde. Meldonium ist ein Hemmstoff der L-Carnitin-Synthese, i.e.S. steuert er das Konzentrationsverhältnis von Carnitin und g-Butyrobetain und damit die Geschwindigkeit der Fettsäure-b-Oxidation im Körper. Zugelassen ist der Wirkstoff in der Behandlung verschiedener kardiovaskulärer und neurologischer Erkrankungen, bei denen es zu einer Gewebeischämie kommt. Sportler nutzen in Kenntnis des kausalen Wirkungsmechanismus dies für ihre subtilen Zwecke der Stoffwechselsteuerung.

·  S4.5.4 Trimetazidin wurde erst 2014 zusammen mit strukturell ähnlichen Kath-Strauch-Inhaltsstoffen in die Stimulanzien S6.b aufgenommen, wobei bei Trimetazidin andere pharmakodynamische Wirkungen maßgeblich sind. Seine Unterstützung des kardialen Energiestoffwechsels durch die Verlagerung der Energiegewinnung weg vom Fettumsatz auf die Schiene der viel rascher ablaufenden Glucose-Oxidation wurde 2015 als „metabolische Modulation“ interpretiert, sodass die WADA eine neue Untergruppe begründete. Der antianginöse Wirkungsmechanismus von Trimetazidin trägt dazu bei, dass auch in den Phasen einer krankheitsbedingten Ischämie die Konzentration von cAMP nicht abfällt. Trimetazidin hat keine hämodynamischen Auswirkungen auf den Blutdruck oder die Herzfrequenz, sodass es mit Betablockern und Hemmstoffen des langsamen Calciumkanals kombiniert werden darf. Trimetazidin ist als Add-on-Therapeutikum bei Angina pectoris zugelassen, z.B. Vastarel® 35 mg.

o   Anmerkung: Die Verschiebung von Meldonium und Trimetazidin aus dem Monitoring Programm bzw. aus S6.b nach S4.5 stellt insofern eine enorme Verschärfung dar, als die Hormone und Stoffwechselmodulatoren unter die nicht-spezifizierten Substanzen fallen, die im Falle ihres Nachweises rigoros abgestraft werden. Bei Stimulanzien unter S6.b, die in Bezug auf Doping nicht allzu vorteilhaft gesehen werden und gar nicht so selten in Arzneimitteln enthalten sind, besteht eventuell ein Verhandlungsspielraum.

 

S5 Diuretika und maskierende Verbindungen

 

Beispiele für Diuretika: Acetazolamid, Amilorid, Bumetanid, Canrenon, Chlortalidon, Etacrynsäure, Furosemid, Indapamid, Metolazon, Spironolacton, alle Thiazide (z.B. Bendroflumethiazid, Chlorothiazid, Hydrochlorothiazid), Triamteren sowie Vaptane (z.B. Tolvaptan, Neuaufnahme 2014).

Ausnahmen bestehen für Drospirenon, Pamabrom und die opthalmologische Verwendung von Carboanhydrase-Hemmern wie Dorzolamid und Brinzolamid, die also nicht verboten sind.

Die lokale Verabreichung von Felipressin in der Dentalanästhesie ist nicht verboten.

Weitere in diese Gruppe fallende Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen sind Desmopressin, die so genannten Plasmaexpander, z.B. Albumin, Dextran, Hydroxyethylstärke, Mannitol, jew. i.v. und unter bestimmten Bedingungen sogar Glycerin) sowie die Substanz Probenecid.

Anmerkung:

·  Für die Verwendung in und gegebenenfalls außerhalb von Wettkämpfen jeglicher Menge einer Substanz, die Grenzwerten unterliegt, i.e.S. Formoterol, Salbutamol, Cathin, Ephedrin, Methylephedrin und Pseudoephedrin, in Verbindung mit einem Diuretikum oder einem anderen Maskierungsmittel, muss neben der medizinischen Ausnahmegenehmigung für das Diuretikum oder ein anderes Maskierungsmittel auch eine gesonderte medizinische Ausnahmegenehmigung für diese Substanz vorgelegt werden.

·  In der ursprünglichen Gruppenbezeichnung „Diuretika und andere maskierende Verbindungen“ wurde das Wort „andere“ gestrichen, um klarzustellen, dass Diuretika nicht nur ihrer maskierenden Eigenschaften willen missbräuchlich eingesetzt werden, sondern auch für Zwecke der Gewichtseinstellung in Gewichtsklassensportarten oder zur Modellierung des Gefäßnetzes bei Bodybuildern.

 

Methoden

 

M1 Manipulation mit/von Blut und Blutbestandteilen

 

M1.1 Blutdoping i.e.S.

Die Verabreichung oder Wiederzufuhr jeder Menge von autologem (Eigenblut), allogenem (homologem) oder heterologem Blut oder Produkten aus roten Blutkörperchen jeglicher Herkunft ist verboten. Anmerkung: Die Neuaufnahme des Begriffs „allogen“ als Synonym für „homolog“ erfolgte per 2014. Der Begriff ist aus der Transplantationschirurgie entlehnt. Bei einer Allotransplantation stammt das transplantierte Gewebe nicht vom Empfänger selbst, sondern von einem genetisch nicht-identischen Spender derselben Art. Auch beim Doping mit Vollblut ist eine möglichst vollständige Übereinstimmung der vom Immunsystem erkannten Merkmale mit dem Empfängerblut erforderlich.

M1.2 Künstliche Sauerstoff-Träger (erhöhte Sauerstoff-Aufnahme und -Abgabe)

Die künstliche Erhöhung der Aufnahme, des Transports oder der Abgabe von Sauerstoff, u.a. durch Perfluorchemikalien, Efapiroxal (RSR 13) und veränderte Hämoglobin-Produkte wie Blutersatzstoffe auf der Basis von Hämoglobin oder mikroverkapselte Hämoglobin-Produkte ist verboten.

Ausgenommen ist die Inhalation von Sauerstoff.

M1.3 Jede Form der intravaskulären Manipulation am/von Blut und an Blutkomponenten mit physikalischen oder chemischen Methoden ist verboten.

 

M2 Chemische und physikalische Manipulation

 

M2.1 Beeinflussung der Probenintegrität

Die tatsächliche oder versuchte unzulässige Einflussnahme, um die Integrität und Validität der Proben, die im Zuge der Dopingkontrolle genommen werden, zu verändern ist verboten. Darunter fallen z.B. Harnaustausch oder der Zusatz von Proteasen zum Urin.

M2.2 Intravenöse Infusionen

sind (von einigen Ausnahmen abgesehen) verboten. Von i.v.-Infusionen spricht man, wenn die Injektionsvolumina größer als 50 ml sind und innerhalb eines Zeitraumes von 6 Stunden verabreicht werden. Begründete Ausnahmen sind Infusionen im Zuge von Krankenhauseinweisungen oder klinischen Untersuchungen, die penibel dokumentiert werden müssen.

Kommentar: M2.2 Per 2015 wurde der Begriff „Surgical Procedures“ neu eingebracht, um weitere ärztlich begründete Ausnahmen vom Infusionsverbot zu ermöglichen.

 

M3 Gendoping

 

Verboten sind:

M3.1 Übertragung von Nukleinsäure-Polymeren und Nukleinsäure-Analoga

M3.2 Anwendung normaler oder genetisch veränderter Zellen

 

Sektion II: Substanzen und Methoden, die im Wettkampf verboten sind, „In-Competition“

Alle Substanzen und Methoden der Sektion I zuzüglich

 

S6 Stimulanzien

 

S6.a Nicht spezifizierte, d.h. streng verbotene Stimulanzien: Adrafinil, Amfepramon, Amfetamin, Amfetaminil, Amiphenazol, Benfluorex, Benzylpiperazin, Bromantan, Clobenzorex, Cocain, Cropropamid, Crotetamid, Fencamin, Fenetyllin, Fenfluramin, Fenproporex, Fonturacetam (4-Phenylpiracetam, Carphedon), Furfenorex, Mefenorex, Mephentermin, Mesocarb, d-Metamfetamin, p-Methylamphetamin, Modafinil, Norfenfluramin, Phendimetrazin, Phentermin, Prenylamin, Prolintan

S6.b Spezifizierte Stimulanzien (Verschiebung von Trimetazidin zu S4.5.3, Neuaufnahme Phenethylamin + Analoga), z.B. Benzfetamin, Cathin (Norpseudoephedrin, >5 µg/ml), Cathinon und seine Analoga (z.B. Mephedron, Methedron, alpha-Pyrrolidinovalerophenon), Dimethylamphetamin, Ephedrin (>10 µg/ml), Epinephrin (Adrenalin, ausgenommen in nasalen und ophthalmologischen Topika sowie als Zusatz zu Lokalanästhetika), Etamivan, Etilamfetamin, Etilefrin, Famprofazon, Fenbutrazat, Fencamfamin, Heptaminol, „Hydroxyamfetamin“ (i.e.S. Parahydroxyamphetamin), Isomethepten, Levmetamfetamin, Meclofenoxat, Methylendioxymethamphetamin, Methylephedrin (>10 µg/ml), Methylhexanamin (Dimethylpentylamin), Methylphenidat, Nikethamid, Norfenefrin, Octopamin, Oxilofrin (Methylsynephrin), Pemolin, Pentetrazol, Phenethylamin und seine Analoga, Phenmetrazin (aus S6.a verschoben), Phenpromethamin, Propylhexedrin, Pseudoephedrin (>150 µg/ml), Selegilin, Sibutramin, Strychnin, Tenamfetamin (Methylendioxyamphetamin), Tuaminoheptan

Kommentar: Phenmetrazin, das sich bis 2014 in der nicht-spezifizierten Gruppe S6.a befand, wurde 2015 nach S6.b verschoben. Die Begründung ist, dass auch das S6.b-Stimulans Febutrazat zu Phenmetrazin biotransformiert wird und man hier keine ungleichen Situationen haben möchte.

 

Berichtenswert erscheint eine Stellungnahme der WADA zum Status von „Geraniumöl“, das im Verdacht steht, Methylhexanamin (MHA) zu erhalten. Wer die Verbotslisten der vergangenen Jahre betrachtet, wird bei MHA auf zahlreiche, mitunter harmlos wirkende Synonymbezeichnungen hingewiesen, hinter denen sich dieser Wirkstoff verbergen kann, z.B. Dimethylamylamin, Pentylamin, Geranamin, Forthane, 2-Amino-4-methylhexan und eben Geraniumwurzelextrakt und Geraniumöl. Jüngere Studien enthüllen nun, dass natives Geraniumöl kein MHA enthält und daher als Quelle für MHA und strukturverwandte Verbindungen ausscheidet. Dennoch ist auch in Zukunft Vorsicht mit Nahrungsergänzungsmitteln aus diesem Eck geboten!

Ausnahmen

Clonidin

Imidazol-derivate für die topische bzw. ophthalmologische Anwendung und jene Stimulanzien, die im Monitoring Programm erwähnt sind.

Kommentar:

·  Die Erleichterung bezüglich der Imidazol-Derivate in Lokaltherapeutika gilt bereits seit mehreren Jahren.

·  Per 2016 wird Clonidin hier als Ausnahme angeführt, was als Klarstellung bezüglich der Verwendung dieses Wirkstoffes zu werten ist. Dies ist insofern interessant als Clonidin im berühmt-berüchtigten „Schwarzen Buch“ als Gegenmaßnahme zur Blutdruckerhöhung infolge der vermehrten Wassereinlagerung bei Steroid-Gebrauch angepriesen wird, insbesondere wenn „stark aromatisierte“ Steroide verwendet werden. Ferner kommt es zu einer Erhöhung der Produktion von Wachstumshormon. Dieser Effekt kann aber wegen des negativen Feedbacks von hGH auf die übergeordneten Hormonzentren nicht längerfristig aufrecht erhalten werden. Die Dosierung beträgt 0,3 mg vor dem Schlafengehen und 0,15 mg nach dem Aufstehen. Als zusätzlicher Benefit wird angegeben, dass die Einnahme vor dem Schlafengehen die Schlafqualität und Regeneration fördert.[18] Die WADA befindet also, dass all diese Versprechungen nicht halten und keine Leistungssteigerung im Sinne von Doping zu erzielen ist.

 

S7 „Narkotika“, ins Deutsche besser übersetzt mit „Schmerzmittel vom Opioid-Typ“

 

Streng verboten: Buprenorphin, Dextromoramid, Diamorphin (Heroin), Fentanyl und Derivate, Hydromorphon, Methadon, Morphin, Oxycodon, Oxymorphon, Pentazocin, Pethidin

 

S8 Cannabinoide

Darunter fallen

  • Natürliche Cannabinoide wie Cannabis, Haschisch und Marihuana, das synthetische delta9-Tetrahydrocannabinol (THC) sowie die
  • Cannabi(no)mimetika, z.B. „Spice“, JWH-018, JWH-073, HU-210

 

S9 Glucocorticoide, Glucocorticosteroide, „Cortison“

 

Die Glucocorticoide sind eine sehr schwierig einzustufende Gruppe, da sie als Arzneimittel größte Bedeutung haben. In jedem Fall sind sie verboten, wenn sie oral, rektal, intravenös oder intramuskulär verabreicht werden.

Seit 2011 gilt allerdings eine weitgehende Liberalisierung der Verabreichung von Cortison in bestimmten lokal-parenteralen Formulierungen, die beibehalten wird. Die dermatologische und topische Anwendung auf Schleimhäuten wurde bereits in den Jahren 2005 bis 2007 schrittweise frei gestellt.

Kommentar: Der seitens der WADA jahrelang verwendete Begriff Glucocorticosteroide wird per 2015 auf die in den Lehrbüchern übliche Bezeichnung Glucocorticoide verkürzt. Inhaltlich ändert sich – von den unten besprochenen Verschärfungen im Monitoring Programm abgesehen – in der Gruppe S9 nichts.

 

Sektion III: Substanzen, die in bestimmten Sportarten im Wettkampf verboten sind

 

P1 Alkohol

 

Es besteht allerdings ein Grenzwert, der einer Blutalkohol-Konzentration von 0,1 g/l entspricht. Der Nachweis erfolgt aus der Atemluft oder dem Blut.

Verboten für Bogenschießen, Luftsportarten, alle Arten von Motorsport, d.h. Automobil-, und Motorbootsport (Powerboating).

Anmerkung: Der Motorradsport wurde per 2016 von der Liste genommen.

 

P2 Betablocker

 

Bogenschießen, Motorsport (Automobilsport), Billard (alle Disziplinen), Darts, Golf, alle Arten von Schießsportdisziplinen (moderner Fünfkampf etc.), Schneesportdisziplinen wie Skifahren, Skispringen, Snowboard inklusive Halfpipe und Big Air sowie inklusive aller Freestyle-Disziplinen, neu ab 2015 Unterwassersportarten, die mit Leistungen unter den Bedingungen einer Apnoe verknüpft sind

Bei den Betablockern gibt es keinen Grenzwert.

In Sportarten mit Schießdisziplinen auch im Training verboten!

Zu den Betablockern zählen u.a. Acebutolol, Alprenolol, Atenolol, Betaxolol, Bisoprolol, Bunolol, Carteolol, Carvedilol, Celiprolol, Esmolol, Labetalol, Levobunolol, Metipranolol, Metoprolol, Nadolol, Oxprenolol, Pindolol, Propranolol, Sotalol, Timolol

 

Monitoring-Programm

 

Beobachtung während des Wettkampfes

 

Aus den Stimulanzien Bupropion, Coffein, Nikotin, Phenylephrin, Phenylpropanolamin, Pipradrol, Synephrin

Kommentar: Da genügend Daten in Bezug auf Pseudoephedrin vorliegen, wurde das Monitoring des S6.b-Stimulans bereits 2015 ausgesetzt. Bis zum Grenzwert von 150 μg/ml bleibt der Pseudoephedrin frei. Wie in verschiedenen Schriften zum Thema wiederholt gezeigt, ist dieser Grenzwert großzügig bemessen und kann bei der normalen Verwendung von Arzneimitteln wie Aspirin complex®, BoxaGrippal®, Wick DayMed Duo® (alle Rpf) sowie Clarinase®, Influbene®, Mexalen Complex® (alle Rp) nicht über werden. Die WADA selbst stellt auf ihrer Homepage Erläuterungen frei, wonach bis zu einer Tagesdosis von 240 mg, die als retardierte Einmalgabe oder gestückelt eingenommen werden kann, ein sicherer grüner Bereich besteht.

Im Sinne einer erzieherischen Maßnahme scheinen die erwähnten Arzneispezialitäten bei der Medikamentenabfrage auf der NADA-Homepage als dopingpositiv auf. Man darf den Sportlern die Hintergründe sachlich erläutern, ohne natürlich mit dem Anschein auftrumpfen zu wollen, sich auf Schliche zur Umgehung der Antidoping-Bestimmungen zu verstehen.

 

Aus den „Narkotika“ Mitragynin, Tramadol

Die gegenständliche Arzneimittelgruppe wurde 2016 gründlich entschlackt: Hydrocodon, Tapentatol und das seit vielen Jahren ermittelte Verhältnis Morphin zu Codein werden nicht länger monitiert.

 

Beobachtung während der Trainingsperiode und während der Wettkämpfe

 

Glucocorticoide

Während der Wettkämpfe werden alle Applikationsformen, für die Ausnahmebestimmungen bestehen, überprüft. Außerhalb der Wettkämpfe will man alle Anwendungsformen monitieren.

Kommentar: Seit einigen Jahren bemüht sich die WADA, dem (prophylaktischen) Gebrauch von Schmerz- und Entzündungsmitteln entgegen zu treten. Bisher wurde die arzneilich-missbräuchliche Verwendung von Glucocorticoide nur während der Trainingszeit monitiert. Die Ausweitung der Monitierung auf die Wettkampfzeit stellt also eine beachtliche Rute ins Fenster, aber offenbar begründete Maßnahme dar: Hatte man bisher jene Sportler im Visier, die in Kenntnis ihres Metabolisierungsstoffwechsels während der Trainingszeit Dosierungen anwenden, die bis zur Wettkampfzeit gerade unterhalb die Nachweisgrenzen fallen, z.B. „Allergiespritzen“, sieht man sich neuerdings genötigt zu ergründen, wie es um den Einsatz der meldepflichtigen, aber erlaubten lokal-parenteralen Applikationsformen wie Gelenk- und Sehnenschutz steht. In jedem Fall steht der in den vergangenen Jahren gewährte Freiraum betreffend Glucocorticoide auf dem Spiel.

 

Neu 2015

Telmisartan

Kommentar: Telmisartan, z.B. Micardis®, in Twynsta®, einige Generika, beachte: Micardis plus® steht wegen des Diuretikums in jedem Fall auf der Dopingliste) gilt als atypischer Angiotensin II-Rezeptorantagonist mit zusätzlichen Eigenschaften als partieller PPARd-Rezeptor-Agonist, die unter S4.5.1 auf der Verbotsliste stehen. Die Kernreaktion besteht darin, dass die Muskelzellen beginnen vermehrt Glucose aufzunehmen und Fett zu verbrennen.

Nachdem bereits 2011 erste Berichte kursierten, wonach Telmisartan die Ausdauerleistung über die Adenosinmonophosphat-aktivierte Proteinkinase-PPARd-Schiene steigern kann, sah die WADA ab 2015 Handlungsbedarf.

Die Fokussierung auf die stoffwechselmodulierende Wirkung ist aber nur ein Teil der Wahrheit zu Telmisartan, denn der als blutdrucksenkendes Arzneimittel zugelassene Wirkstoff wirkt als einziger aus der Gruppe der Angiotensin II-Antagonisten auch am nahe verwandten PPARg-Rezeptor, wie das für andere sehr gebräuchliche Wirkstoffe wie die PPARg-Agonisten Rosiglitazon und Pioglitazon und den indirekten AMP-Proteinkinase-Agonisten Metformin bekannt ist. Auch über diese Parallelen wissen die Leser des Dopingbuchs des Apothekerverlages längst Bescheid. Rosiglitazon war unter Avandia® im Handel, musste aber wegen der UAW einer Flüssigkeitsretention und einem erhöhten Risiko von Herzinsuffizienz wieder zurückgezogen werden. Bei den Nachfolgeprodukten wie Pioglitazon (z.B. Actos®) scheint sich die Gefahr dieser UAW in einem tolerierbaren Rahmen zu halten. Die blutzuckersenkende Wirkung wird über eine Verringerung der Insulin-Resistenz und diese wiederum über die Aktivierung spezifischer Kernrezeptoren – eben der Peroxisome Proliferator activated Receptor-γ-Rezeptoren – vermittelt. Die erhöhte Insulin-Sensitivität von Leber-, Fett- und Skelettmuskelzellen äußert sich darin, dass Pioglitazon die Glucose-Produktion in der Leber reduziert und die periphere Glucose-Verwertung steigert. Was die Fettstoffwechselwirkungen der PPARg-Agonisten betrifft, so kommt es zu einer Abnahme des viszeralen Fettgewebes, während sich die Masse an extraabdominalem Fettgewebe vergrößert. Letzteres ist aber beispielsweise durch Sport leichter mobilisierbar als das metabolisch äußerst träge Bauchfett. Die Triglycerid-Blutspiegel werden gesenkt, was sich in einem verringerten Risiko für Arteriosklerose niederschlägt. In jüngerer Zeit ist man bemüht, einschlägige entzündungshemmende Wirkungen von Telmisartan zu erforschen und für ischämische Krankheitsbilder des Herzmuskels nutzbar zu machen.

Im Punkt Fettumsatz sind also die Delta-Agonisten überlegen, indem sie Fett durch eine Steigerung der Oxidation der Fettsäuren stärker erfassen und reduzieren, was auch erklärt, warum die PPARg-Agonisten bisher nicht ins Visier der Dopinghüter gelangten. Mit Telmisartan gelangt jedoch die gesamte Problematik aufs Tablett, und man darf auf die künftige Entwicklung gespannt sein.

In einem bestimmten Versuchsmodell beträgt der Aktivierungsfaktor von Telmisartan am PPARg-Rezeptor ca. 27%, bei den übrigen Vertretern der Wirkstoffgruppe wie Irbesartan, Candesartan, Valsartan, Olmesartan, Eprosartan und Losartan (EXP 3174) bewegt er sich zwischen vernachlässigbaren 1 und 2%.

 

Fazit

Mit der nachhaltigen Erweiterung der Antidoping-Bestimmungen bereits 2015 zeigte die WADA große Präsenz bezüglich der Neuentwicklungen rund um Erythropoietin und Entschlossenheit in der Eindämmung verschiedener Unsitten zur Stimulation des körpereigenen Wachstumshormons. Darüber hinaus fällt auf, dass immer öfter ganz spezielle Teilwirkungen zugelassener Medikamente für die Zwecke mutmaßlich unlauterer Leistungsbegünstigung im Spitzensport genutzt werden, was mit dem Instrument des Monitoring Programms sondiert werden kann. Als Beispiele dienen Pseudoephedrin, per 2015 Trimetazidine und per 2016 Meldonium, die nach längerer bzw. nur einjähriger Beobachtungszeit in die Verbotsliste überstellt wurden (wobei sich durch die Grenzwertregelung bei Pseudoephedrin praktisch nichts ändert).

In jedem Fall stehen die Dopingkontroll-Labors vor großen Aufgaben, denn noch so ambitionierte Regeln erweisen sich als zahnlos, wenn nicht eine entsprechende Analytik vorhanden ist.

 

Positiv-Liste „Sport und Arzneimittel“, Einleitung

 

Für die Praxis ist es natürlich zu wenig, nur Verbote auszusprechen. Es ist daher ein unbedingtes Anliegen dieser Seite die erlaubten Arzneimittel für Sportler herauszufiltern. Im eingangs erwähnten Dopingbuch von Thomas Riedl finden sich bereits umfangreiche Kapitel für den richtigen Umgang mit Arzneimitteln sowie zahlreiche Hinweise auf Dopingfallen.

Die folgenden Punkte sind in jedem Fall zu beachten:

  • Zurückhaltung bei der Verwendung von Medikamenten
  • Verordnungen Ihres Haus- oder eines Facharztes setzen die Dopingbestimmungen nicht außer Kraft. Wenn Sie in ihrer Sportart der Einhaltung der Dopingbestimmungen verpflichtet sind („Poolsportler“), weisen Sie den verschreibenden Arzt auf diese Besonderheit hin. Wenn Sie ärztlich verordnete Arzneimittel in der Apotheke beziehen oder selbst kaufen, erkundigen Sie sich bezüglich der Dopingtauglichkeit der Präparate.

o   Gibt es keine dopingtaugliche Alternative zur in Aussicht genommenen Therapie, müssen Sie eine medizinische Ausnahmegenehmigung beantragen.

  • Finger weg von allen unseriösen Quellen für Nahrungsergänzungsmittel!

    o   In manchen Ländern wie den USA oder Holland sind bestimmte anabole Steroide als so genannte OTC („Over-The-Counter“)-Präparate zugelassen. Besondere Vorsicht ist ferner bei Produkten aus Russland und China am Platze, weil sie häufig falsch deklariert sind.

In der vorliegenden Zusammenstellung werden zur Vorbeugung und Behandlung verschiedenster Beschwerden und Erkrankungen Wirkstoffe bzw. Handelsnamen genannt. Die Nennung eines Produktes bedeutet weder eine Werbung noch eine Empfehlung hinsichtlich seiner sicheren Wirksamkeit.

Medikamente existieren vielfach in mehreren Darreichungsformen, z.B. als Tabletten, Ampullen, Tropfen, Zäpfchen usw. Wenn Handelsnamen ohne weitere Charakterisierung genannt sind, ist in aller Regel die feste Arzneiform zum Schlucken gemeint, also eine Tablette, eine Kapsel, ein Dragee oder eine Lutschtablette. Die Darreichungsform wird aber präzise genannt, wenn es für das Verständnis wichtig erscheint oder für Sportler nur eine bestimmte Darreichungsform eines Medikamentes erlaubt ist, d.h. die Aussagen müssen auf konkrete Präparate und im Einzelfall sogar auf die angebotenen Arzneiformen dieser Medikamente herunter gebrochen werden! Die Regelung mit den Infusionen bringt es beispielsweise mit sich, dass auch Arzneimittel unter die Dopingbestimmungen fallen können, die vom Wirkstoff her unbedenklich in Bezug auf Doping sind, d.h. die Art der Applikation entscheidet über den Status des Arzneimittels.

Viele Wirkstoffe sind unter mehreren Handelsbezeichnungen als Medikamente zugelassen. Es kann daher sein, dass bei bestimmten Wirkstoffen nur wenige, in der Praxis besonders gebräuchliche Produkte, namentlich genannt sind. Selbstverständlich ist aber die Verordnung/Verwendung anderer Medikamente, sofern sie denselben Wirkstoff enthalten, möglich.

Es ist ratsam, den so genannten Monopräparaten, die definitionsgemäß nur einen Wirkstoff enthalten, den Vorzug zu geben. Bei Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen müssen alle Einzelwirkstoffe auf ihre Verträglichkeit mit den Dopingbestimmungen überdacht werden. Das Vorhandensein auch nur eines Kombinationspartners, der unter die Dopingbestimmungen fällt, könnte sonst zu einer Dopingfalle werden. Praktische Bedeutung hat dieser Hinweis für die Einstufung von Arzneimitteln gegen chronische Atemwegserkrankungen, gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck sowie in Präparaten zur Linderung grippaler Infekte. In den entsprechenden Kapiteln wird auf diese Feinheiten aufmerksam gemacht.

Der Hinweis „Rp“ bedeutet „rezeptpflichtig“ und ist bei Produkten mit Verschreibungsstatus ausgewiesen. Rezeptpflichtige Medikamente sollten grundsätzlich nur nach Verschreibung durch einen Arzt angewendet werden. „Rpf“ bedeutet „rezeptfrei“. Produkte ohne Erwähnung des Rezeptpflichtstatus sind rezeptfrei. Der Zusatz „Rpf“ findet sich immer dann, wenn von einem Wirkstoff mehrere Produkte registriert sind, von denen einige rezeptpflichtig und andere rezeptfrei erhältlich sind. Dies soll die Produktauswahl im Rahmen der Selbstmedikation erleichtern.

Ansprechpartner bei Erkrankungen sollte zuerst immer ein Arzt sein. Leistungssportler würden sich im Krankheitsfall an den Mannschaftsarzt oder den zuständigen Arzt am Olympiastützpunkt werden. Bei Besuchen des Hausarztes ist es üblich, sich von diesem eine Bestätigung abzeichnen zu lassen, dass die Tauglichkeit der verordneten oder empfohlenen Medikamente in Bezug auf die Dopingbestimmungen gegeben ist. Interessierte Breitensportler dürfen ihren Arzt/ihre Ärztin gegebenenfalls darauf hinweisen, dass Sie an einer Breitensportveranstaltung teilnehmen. Hilfe gibt es natürlich auch in den österreichischen Apotheken.

Es muss klargestellt werden, dass ärztlich verordnete Therapien mit Wirkstoffen und Methoden, die sich auf der Dopingliste befinden, ohne Bewilligung seitens der Dopingkontroll-Behörde die Dopingbestimmungen keinesfalls außer Kraft setzen. Ebenso wenig bedeutet die Rezeptfreiheit eines Präparates, dass das Arzneimittel für Sportler in Bezug auf Doping uneingeschränkt zulässig ist. Einmal mehr werden wir hier auf Vertreter aus der Gruppe der Stimulanzien stoßen, die in Erkältungstherapeutika eine weite Verbreitung haben.

Mit im rezeptfreien Bereich gut ausgewählten Arzneimitteln legen wir in der Apotheke die Basis, dass auch Breitensportlern die Problematik rund um unerlaubte Leistungssteigerung und mögliche gesundheitliche Nachteile aus einem nicht indikationsgerechten Arzneimittelkonsum bewusst wird. Bei entsprechendem Interesse seitens des Sportlers oder der Sportlerin dürfen und sollten die Apotheker darauf hinweisen, wenn ärztlich verordnete Medikamente mit den Dopingbestimmungen in Konflikt stünden.

Frei abrufbare Datenbanken im Internet finden sich z.B. unter www.nada.at (weiter mit „Medikamentenabfrage“, es ist eine Bestätigung erforderlich, dass die Nutzungsbedingungen akzeptiert werden) oder unter www.medis.at (weiter mit „Medikamentenliste“). Die Grundlage für diese Datenbanken und den Rezeptpflichtstatus ist die Austriacodex-Fachinformation in ihrer jeweils gültigen Fassung, die alle in Österreich zugelassenen Arzneispezialitäten beschreibt. Den sehr umfangreichen deutschen Markt überblickt man unter www.nada-bonn.de (weiter mit „Medikamenten Datenbank NADAMed“, dafür ist ebenfalls die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen erforderlich). Die NADA Deutschland legt alljährlich eine allerdings auf den deutschen Arzneimittelmarkt bezogene Broschüre für den richtigen Umgang mit Medikamenten auf.

Produkte, die im Ausland zugelassen sind, müssen im Einzelfall hinsichtlich ihrer Zusammensetzung überprüft werden. Selbst wenn sie die idente Bezeichnung tragen wie eine in Österreich registrierte Arzneispezialität, kann die Zusammensetzung unterschiedlich sein.

Wer umgekehrt im Ausland erkrankt, ist auf Informationen vor Ort angewiesen. Sollten der behandelnde Arzt, der Arzt der Veranstaltung oder der Apotheker im Reiseland nicht in der Lage sein, eine entsprechende Auskunft zur Dopingrelevanz eines Präparates zu erteilen, muss ein anderes, für Sportler sicher zugelassenes Medikament eingesetzt werden.

Zum Abschluss sei einmal mehr der dringende Rat ausgesprochen, bei akuten Beschwerden wie Fieber, Halsschmerzen oder Husten mit eitrigem Auswurf einen Arzt aufzusuchen. Es kann gefährlich sein, mit vermeintlich banalen Beschwerden an einem Wettbewerb teilzunehmen. Die Leistungsfähigkeit ist unter diesen Umständen in jedem Fall eingeschränkt. In der Folge könnten sich schwere Schäden für die Gesundheit einstellen, die das Ende der sportlichen Karriere einläuten.

Damit kommen wir bereits zu den einzelnen Arzneimittelgruppen:

Schmerztherapie

 

1. Narkotika, besser starke Schmerzmittel

 

Auf die mögliche Verwendung bestimmter so genannter starker Schmerzmittel wurde bereits bei der Besprechung der Dopingliste hingewiesen. So dürfen etwa

  • Codein (z.B. in Irocopar c.C.®, Spasmoplus® Zäpfchen, beide Rp),
  • Dextropropoxyophen (z.B. in Apa® Rp),
  • Dihydrocodein (z.B. Codidol® Rp) und
  • Tramadol (z.B. Tramal®, zahlreiche Generika, Adamon long retard®, in Zaldiar®, alle Rp)

von Sportlern verwendet werden.

o   Codein, Dextromethorphan und Dihydrocodein sind auch als Reizhustentherapeutika zugelassen, siehe Kap. Hustentherapeutika. Präparate mit Wirkstoffen aus dieser Gruppe müssen vom Arzt verschrieben werden, nur von Dextromethorphan gibt es rezeptfreie Produkte.

Auch der Wirkstoff

  • Loperamid (z.B. Imodium®, Imosec® Lösung, beide Rp, Enterobene® Rp, Imodium akut®, Loperamid ratiopharm®, Loperamid Sandoz®, in Normakut®, alle Rpf), der chemisch zur Gruppe der starken Schmerzmittel gehört, ist als Durchfalltherapeutikum zugelassen und für Sportler erlaubt. Wie erwähnt, sind einige Präparate rezeptfrei gestellt.

 

2. Analgetika, Antipyretika, Antiphlogistika, Nicht-steroidale Antirheumatika

 

Ein weitererer Unterpunkt des Kapitels Schmerztherapie sind die so genannten schwachen Schmerzmittel (Analgetika), fiebersenkenden Mittel (Antipyretika) und entzündungshemmenden Mittel (nicht-steroidale Antiphlogistika, Antirheumatika). Für diese große und in der Arzneimittelpraxis äußerst wichtige Arzneimittelgruppe kann eine generelle „Entwarnung“ für die Anwendung bei Sportlern ausgesprochen werden, d.h. sie dürfen allesamt gespritzt, geschluckt, als Zäpfchen oder äußerlich angewendet werden, von einigen Formulierungen zur Infusionstherapie abgesehen.

Rezeptfreie Präparate lassen sich mit den folgenden Wirkstoffen finden:

  • Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin®, Aspro®, Alka-Selzer®) sowie Abkömmlinge von ASS (die so genannten Salicylate (z.B. Iromin®, in Grippefloran®, in Adolorin Influplus®, in Algesal® Salbe, in Dolo-Menthoneurin® Gel, in Dolorex® Spray, in Moviflex® Gel, in Pasta cool® Salbe, in Reparil® Gel),
  • Dexibuprofen,Ibuprofen (z.B. Aktren®, Adolorin Ibuforte®, Dismenol®, Dolofort®, Eumed neu®, Ibumetin®, Ibuprofen®, Ibutop® Creme, Kratalgin®, Nurofen®, ratioDolor®),
  • Diclofenac (Lokaltherapie mit Pflastern, z.B. Flector®, Lokaltherapie mit Salben, z.B. Voltadol®),
  • Etofenamat (Lokaltherapie mit Salben, z.B. Traumon®),
  • Flufenaminsäure (in Mobilisin plus® Salbe),
  • Flurbiprofen (Lokaltherapie bei Halsschmerzen, z.B. Strepsils® Pastillen),
  • Naproxen (z.B. Aleve®),
  • Ketoprofen (Lokaltherapie mit Spray, z.B. Ketospray®) sowie
  • Paracetamol (z.B. Mexalen®, in Mexavit®, Momentum®, Trimedil®).

 

In jedem Fall vom Arzt verschrieben werden müssen Präparate mit den Wirkstoffen

  • Celecoxib (z.B. Celebrex® Rp),
  • Diclofenac (zur Einnahme, Zäpfchen, z.B. Diclobene®, Diclofenac®, Voltaren®, alle Rp)
  • Etofenamat (z.B. Rheumon® Depot Ampullen Rp, Injektionspräparat),
  • Indometacin (z.B. Indocid® Rp),
  • Lornoxicam (z.B. Xefo® Rp, auch Injektionspräparat),
  • Mefenaminsäure (z.B. Parkemed®, Mefenabene®, Mefenam®, alle Rp),
  • Meloxicam (z.B. Movalis® Rp),
  • Metamizol (z.B. Novalgin® Rp),
  • Piroxicam (z.B. Felden® Rp).
  • Ebenfalls frei für Sportler sind Schmerzmittel, die einen Schutzstoff für die Magenschleimhaut in Kombination enthalten, z.B.
  • Arthrotec®, Arthrotec forte®, beide Rp (Naproxen + Misoprostol),
  • Vimovo® Rp (Diclofenac + Esomeprazol).

 

3. Entzündungshemmende Wirkstoffe mit anderen Wirkungsmechanismen

 

Darüber hinaus gibt es eine Fülle von durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Mittel gewissermaßen mit Sonderstatus, die für Sportler uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Dazu gehören beispielsweise

  • ätherische Öle, v.a. Campher,Menthol (z.B. in Dolo-Menthoneurin® Gel, in Dolorex® Spray, in Etrat® Gel, in Perskindol® Gel, in Rowalind® Einreibung),
  • Benzylnikotinat und andere Nikotinsäureester (z.B. in Derivon® Creme, Finalgon® Salbe, in Mobilisin plus® Salbe, in Rowalind® Einreibung, in Rubriment® Emulsion),
  • Bienengift (derzeit kein Produkt in Österreich registriert),
  • Cayennepfeffer (berechnet als Capsaicin, z.B. Hansaplast med ABC® Wärmepflaster),
  • Dimethylsulfoxid, DMSO (z.B. Dolobene® Gel, Roll-on),
  • Essigsaure Tonerde (z.B. EST® Tabletten, in Arnicet® Creme),
  • Heparin und Heparinoide, Blutegel-Extrakte (z.B. Hemeran® Salbe, Hirudoid® Salbe, Gel, Pasta cool®, Venobene® Salbe, Vetren® Creme, Gel, Viatromb® Spraygel),
  • Kulturbeinwell (z.B. Traumaplant® Salbe, Kytta® Salbe, D),
  • Methylsalicylat, Synonymbezeichnung Wintergrünöl (z.B. in Trauma-Salbe kühlend®, in Trauma-Salbe wärmend®),
  • Natrium-/Ammoniumbituminosulfonat (z.B. in Ichtalgan forte® Creme, in Ichto Bad®),
  • Formulierungen aus Parakresse, Acmella ciliata (z.B. Spolera®, D) oder
  • Rosskastanien-Extrakte (mit dem Hauptwirkstoff Aescin, z.B. Reparil® Gel, Venostasin® Salbe, Venostasin forte® Gel),
  • Extrakt aus roten Weinblättern (z.B. Antistax® Rpf).
  • Schließlich sind pflanzliche Mischformulierungen wie Phytodolor® Tropfen und homöopathische Formulierungen wie Traumeel S® und Varicylum S® für Sportler frei verwendbar und alle Rpf.

 

Auch gegen Enzymformulierungen, die beispielsweise

  • Bromelain (z.B. Bromelain POS® Rpf, in Phlogenzym® Rp) oder
  • Papain (z.B. in Wobe-Mugos®, in Wobenzym®, beide Rp)

enthalten, ist bei Sportlern nichts einzuwenden.

Mit Ausnahme von Papain finden sich für jedes der genannten Beispiele rezeptfreie Präparate.

Zu guter Letzt sind spezielle Produkte mit entzündungshemmenden Wirkungen auf der Basis von

  • Teufelskralle,Harpagophytum sp. (z.B. Doloteffin®, Jucurba®, beide D),
  • Weihrauch, Boswellia serrata (z.B. Arthrovital®, Weihrauch H15®, Weihrauch Activ HWS®),
  • Brennnessel, Urtica dioica (Präparate des Handels derzeit als Phyto-Urologika für den Mann entwickelt, z.B. Brennnesselwurzel 1 am Tag Biogelat®, Brennesselwurzel Dr. Böhm®),
  • Hagebutte, Rosa canina (z.B. Litozin®) sowie
  • Bockshornkleesamen

zu erwähnen.

Erwähnt werden dürfen in diesem Zusammenhang die so genannten Balneotherapeutika auf Moorbasis, die

  • Humussäuren und Salicylate enthalten, z.B. Humal®, Salhumin®.
  • Selbstverständlich dürfen auch Moorpackungen zur Anwendung gelangen, z.B. Neydhartinger®.

 

4. Prophylaxe und Therapie von chronischen Schäden am Bewegungsapparat

 

Beispiele sind

  • Das Kombinationspräparat anabol-loges®,
  • Hyaluronsäure und ihre Abkömmlinge, die vom Arzt in ein Gelenk gespritzt werden (z.B. Artzal®, Hyalgan®, beide Rp, Synocrom®, Synvisc®, beides Medizinprodukte),
  • Chondroitinsulfat (z.B. in Glucosamin + Chondroitin mit MSM Pure Encapsulations®, Condrosulf® Rp, in SynoTabs®),
  • Diacerein (z.B. Verboril® Rp),
  • Glucosamin (z.B. Bio-Glukosamin®, Flexove® Rp),
  • Kollagenhydrolysate (z.B. Immulac Sport®, Mobiforte®),
  • Methylsulfonylmethan, MSM (z.B. MSM Gallpharma®),
  • Trinkgelatine (z.B. CH alpha®) sowie
  • Vitamin E (z.B. Etocovit®, E-Vit®).
  • Die Hyaluronsäure enthaltenden Präparate sowie das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Diacerein sind rezeptpflichtig, für die übrigen Substanzen können Sportler aus dem rezeptfreien Bereich schöpfen.

o   Anmerkung: Hyaluronsäure ist auch in Präparaten zur Befeuchtung von trockenen Augen oder der Nasenschleimhaut enthalten und darf von Sportlern bedenkenlos angewendet werden, z.B. GenTeal HA®, Hybak®, Hylo-Care®, Hylo-Comod®, Hylo-Gel® für trockene Augen bzw. z.B. Nasmer® zur Pflege der Nasenschleimhaut.

  • Schließlich kommen Homöopathika wie z.B. Zeel® oder Symphytum complex® für Sportler in Frage.

 

4.1. Anwendung von Glucocorticoiden

Um dem breiten Indikationsfeld der Glucocorticosteroide bei entzündlichen Erkrankungen des Halte- und Stützapparates in der therapeutischen Praxis Rechnung zu tragen, ist ihre Anwendung unter strikter Einhaltung bestimmter lokal-parenteralen Anwendungsformen in Bezug auf die Dopingbestimmungen ohne Bewilligung frei gegeben. Der Sportler ist aber angehalten, die Verwendung von derartigen Arzneimitteln bekannt zu geben. Es betrifft dies die Anwendungen

  • im Gelenk (intraartikulär),
  • rund um Gelenkkapsel (periartikulär),
  • in das Blutgefäße enthaltende Bindegewebe rund um Sehnen (peritendinös),
  • in die Nähe des Rückenmarks (epidural) und
  • in die Haut (intradermal).

 

Dabei überlässt die WADA die Verantwortung für die medizinisch indizierte und applikationsgerechte Anwendung der Glucocorticosteroide gänzlich den Athleten und ihren Ärzten. Die Sportler müssen damit rechnen, dass Glucocorticosteroide im Harn nachgewiesen werden können, wenn deren Anwendung anders als erlaubt oder in hohen Dosen erfolgt – mit entsprechenden Konsequenzen des Dopingreglements. Seit 2012 sind die Glucocorticosteroide in das Trainingsmonitoring aufgenommen.

Produktbeispiele für Cortison-haltige Präparate, die zur lokal-parenteralen Therapie verwendet werden können:

  • Celestan biphase®, Dexabene®, Dexamethason Nycomed®, Diprophos®, Volon A®.

o   Anmerkung: Da die erwähnten Produkte auch zur intravenösen und/oder intramuskulären Anwendung zugelassen sein können, sind sie in der für Österreich verbindlichen Einstufungsliste als dopingpositiv markiert. Entscheidend für die Freistellung des Produkts ist also, wie erwähnt, die korrekte lokal-parenterale Applikation!

5. Lokalanästhetika

 

Der Arzt kann seine Schmerztherapie noch mit Lokalanästhetika steigern, die in die Nähe der schmerzhaften Region gespritzt werden.

o   Mit Ausnahme von Cocain, das ausdrücklich verboten ist, dürfen alle Vertreter dieser Arzneimittelgruppe bei Sportlern verwendet werden.

Beispiele sind

  • Lidocain (z.B. Xylanest®, Xylocain®, Xyloneural®, Versatis 5% Pflaster, alle Rp),
  • Mepivacain (z.B. Mepinaest® Rp) und
  • Procain (z.B. Novanest® Rp).

o   Anmerkungen: In Präparaten mit diesen Wirkstoffen darf zur Verlängerung der Wirkung auch Adrenalin zugesetzt sein. Diese Ausnahme ist in den Dopingbestimmungen ausdrücklich vorgesehen.

o   Auch in den nasalen und ophthalmologischen Lokaltherapeutika ist Adrenalin als Vasokonstriktoren-Zusatz erlaubt, siehe auch Kap. Stimulanzien.

Lokalanästhetika kommen ferner in Arzneimitteln zur kleinflächigen Schmerzstillung in Augen- und Ohrentropfen, zur Anwendung in der Mundhöhle sowie am After vor, die für Sportler allesamt frei sind. In Frage kommende Wirkstoffe sind

  • Benzocain, Synonymbezeichnung Aethyl-p-aminobenzoat (z.B. Anaestherit® Streupuder und Salbe [derzeit beide nicht im Handel], in Dequalinetten® Lutschtabletten, in Dorithricin® Halstabletten, in Herposicc® Lippensalbe, in Insecticum® Gel, in Sulgan F99® Hämorrhoidalsalbe und -zäpfchen),
  • Cinchocain (z.B. in Scheriproct® Salbe Rp),
  • Lidocain (z.B. in Dentinox® Zahngel, in Lemocin® Lutschtabletten, in Cathejell® Rp, Emla® Creme Rp, in Otalgan® Ohrentropfen Rp)
  • Oxibuprocain (z.B. Benoxinat® Lösung, Novain® Augentropfen, beide Rp) und
  • Polidocanol (z.B. Balneum Hermal plus Polidocanol® Rpf),
  • Tetracain (z.B. in Dynexan® Salbe, in Herviros® Lösung, Minims® Augentropfen, alle Rp).

Von Benzocain und Polidocanol gibt es rezeptfreie Produkte, die übrigen Wirkstoffe bzw. Präparate müssen vom Arzt verschrieben werden.

Folgende praktische Ratschläge sind abschließend zu deponieren:

o   Vorsicht geboten ist bei Cinchocain, denn von diesem Wirkstoff gibt es in Österreich nur ein rezeptpflichtiges Kombinationspräparat mit einem Glucocorticosteroid in Form von Zäpfchen oder einer Salbe (Scheriproct®). Für Sportler wäre mit Bezug auf die Dopingbestimmungen nur die Salbenformulierung frei verwendbar!

o   Vorsicht ist geboten beim Wirkstoff Oxetacain, der im abbauenden Stoffwechsel in einem gewissen Ausmaß zu nicht-spezifizierten S6.a-Stimulanzien wie Phentermin und Mephentermin sowie deren hydroxylierten Derivaten biotransformiert wird. Der Wirkstoff wurde mittlerweile vom Markt genommen, wenngleich ein Kombinationsprodukt zur Behandlung von Magenschmerzen in Österreich nach längerer Absenz wieder erhältlich ist (Tepilta® Suspension Rp). Was die Therapie des sauren Magens und der Refluxerkrankungen betrifft, gibt es genügend Alternativen.

6. Zentral wirksame Myotonolytika

 

Den Abschluss des Kapitels Schmerzmittel und die Brücke zum nächsten großen Thema Zentralnervensystem bilden die Wirkstoffe zur Behandlung schmerzhafter Kontraktionen der Skelettmuskeln, die so genannten Myotonolytika mit ihren Angriffpunkten in verschiedenen Abschnitten des Gehirns. Dem Arzt stehen damit weitere Substanzen für eine gezielte Schmerztherapie zur Verfügung. Beispiele sind

  • Baclofen (z.B. Lioresal® Rp),
  • Chininsulfat (z.B. Limptar N®, D),
  • Tetrazepam (z.B. Myolastan® Rp, derzeit außer Verkehr),
  • Tizanidin (z.B. Sirdalud® Rp) oder
  • Tolperison (z.B. Mydocalm® Rp)

 

6.1. Muskelrelaxanzien mit Sonderstellung

Dantrolen-Natrium (z.B. Dantrolen® Rp), ist ein Spezialwirkstoff, der die Kontraktionen der Skelettmuskeln durch eine Hemmung der Calcium-Freisetzung aus endoplasmatischen Retikulum vermindert. Das Haupteinsatzgebiet ist die maligne Hyperthermie, eine schwere Fieberreaktion des Körpers, die mit Muskelzuckungen und -verkrampfungen einhergeht.

o   Anmerkung: Das Präparat ist zur Anwendung als Infusion vorgesehen. Es dürfen also keine Fehler in Bezug auf die verbotenen Methoden gemacht werden. Diese Gefahr besteht aber bei einem Notfalltherapeutikum, das unter klinischer Kontrolle verabreicht wird, nicht.

Als weiteres Beispiel ist das Muskelrelaxans mit anticholinerger Wirkung Orphenadrin (z.B. in Norgesic® Tabletten, in neoDolpasse® Infusionslösung, beide Rp; Norflex® Rp, nicht mehr im Handel) zu nennen. Das Tablettenpräparat ist für Sportler uneingeschränkt anwendbar (Kombination mit Paracetamol), beim Produkt zur parenteralen Anwendung ist das Infusionsverbot nach M2.2 zu berücksichtigen. Der Wirkstoff fällt unter die so genannten Interneuronenblocker mit hoher Affinität zu den hemmenden Zwischenneuronen des zentralen Nervensystems, die Glycin und Gamma-Aminobuttersäure als Überträgersubstanz verwenden.

Weitere freigestellte Produkte sind Montamed® (Papaverin-artig wirksames Spasmolytikum Saleverin in Kombination mit Prophenazon und Coffein, Rp, dzt. nicht erhältlich) sowie Spasmium® (Caroverin, Rp, ebenfalls fragliche Verfügbarkeit).

Ein letztes Beispiel ist Avamigran® Rp, ein Kopfschmerztherapeutikum mit dem Komponenten Propyphenazon, Coffein, Camylofin-Dihdrochlorid, Mecloxamin-Dihydrogencitrat und Ergotamintartrat, dass dzt. als magistrale Rezeptur angeboten wird. Von seinen Wirkstoffen her ist es für Sportler uneingeschränkt zugelassen. Camylofin entfaltet anticholinerge und Papavarin-artige Wirkungen, Mecloxamin zählt ebenfalls zu den parasympatholytischen Substanzen. Die wissenschaftliche Charaktierisierung beider Wirkstoffe ist lückenhaft.

Zentralnervensystem, ZNS

 

Die Besprechung der einzelnen Arzneimittelgruppen erfolgt sehr detailliert. Gerade Erkrankungen wie Epilepsie, Parkinsonismus, Depressionen und psychotische Erkrankungen können auch LeistungsportlerInnen treffen. Es muss daher absolute Klarheit bezüglich der therapeutischen Möglichkeiten bestehen.

1. Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Angst lösende Mittel

 

Keinerlei Einschränkungen gibt es für die große Gruppe der Beruhigungs- und Schlafmittel. Darunter finden sich auch einige rezeptfreie Produkte. Erlaubt sind alle Tees sowie Fertigarzneimittel aus Pflanzen mit beruhigenden Wirkstoffen, wobei bei den Tinkturen auf den Alkohol-Gehalt hinzuweisen ist, der gegebenenfalls zu bedenken ist. Ein weiterer Anwendungsbereich dieser Arzneimittelgruppe sind Angsterkrankungen.

  • Auszüge aus Pflanzen, Tees, zugelassene Phytopharmaka, z.B. aus Baldrianwurzel, Lavendel, Melissenblätter, Passionsblume, Bitterorange, Zimtrinde, Rauschpfeffer.
  • Bekannte Präparate sind z.B. Baldriacin®, Baldrian Nachtruhe®, Baldrian Nervenstark®, Baldrian dispert forte®, Hova® Filmtabletten, Hova-Baldrian® Saft, Dr. Böhm Passionsblume® Dragees, Nervenruh forte, Nervifloran®, Passedan®, Passelyt®, Passiflorin®, Psychobald®, Schlafkapseln Biogelat®, Sedogelat®, Valmane®.
  • In Deutschland zugelassen und für Sportler freigegeben ist
  • Silexan (ein speziell angereichertes Lavendelöl, z.B. Lasea®).
  • Auch homöopathische Formulierungen wie z.B. Nerventropfen Similasan® sind frei, man beachte aber die Anmerkungen zum Homöopathikum Relax® im Kap. Stimulanzien, Homoöpathika!

 

An synthetischen Wirkstoffen sind

  • Diphenhydramin (z.B. Calmaben®, Noctor®, Dibondrin® Rp)[i] und
  • Doxylamin (z.B. in Wick Erkältungssaft für die Nacht® Rp, Hoggar Night® Rpf, D) hervorzuheben, weil es hier rezeptfreie Präparate gibt.

 

Vom Arzt verschrieben werden müssen Wirkstoffe wie die

  • Benzodiazepine (z.B. Adumbran®, Halcion®, Lendorm®, Mogadon®, Rohypnol®, alle Rp) und neuere, aus dieser Wirkstoffgruppe entwickelte Substanzen (z.B. Zoldem®, einige Zolpidem®-Generika, Ivadal®, alle Rp),
  • Buspiron (z.B. Buspar® Rp),
  • Meprobamat (z.B. Miltaun® Rp).

 

Auf den muskelkrampflösenden Wirkstoff

  • Tetrazepam (z.B. Myolastan® Rp), der chemisch zu den Benzodiazepinen zu zählen ist, wurde bereits im vorhergehenden Kapitel hingewiesen. Er ist derzeit aber außer Verkehr.

 

2. Antiepileptika

 

Alle verfügbaren Präparate sind für Sportler uneingeschränkt zugelassen, z.B.

Natriumionenkanal-Blocker, z.B.

  • Carbamazepin (z.B. Neurotop®, Tegretol®, beide Rp), Phenytoin (z.B. Epanutin®, Epilan-D®, beide Rp), Lamotrigin (z.B. Lamictal®, zahlreiche Generika, alle Rp), Oxcarbazepin (z.B. Trileptal® Rp), Mephenytoin (z.B. Epilan® Rp), Topiramat (z.B. Topamax® Rp), Felbamat (z.B. Taloxa® Rp)

 

Chloridionenkanal-Blocker, z.B.

  • Barbiturate, z.B. Phenobarbital (n.reg.), Barbexaclon (z.B. Maliasin® Rp), Primidon (z.B. Cyral®, Mysoline®, beide Rp), Benzodiazepine, z.B. Diazepam (z.B. Valium® Rp), Clonazepam (z.B. Rivotril® Rp), Clobazam (z.B. Frisium® Rp),

 

Wirkstoffe, die Gamma-γ-Aminobuttersäure (GABA) im Zentralnervensystem freisetzen, z.B.

  • Valproinsäure (z.B. Convulex®, Depakine chrono retard®, beide Rp),

 

Hemmstoffe der GABA-Transaminase (die GABA im Gehirn abbaut), z.B.

  • Vigabatrin (z.B. Sabril® Rp),

 

Wirkstoffe, die an Hilfsproteine spannungsabhängiger Calciumionen-Kanäle binden, z.B.

  • Gabapentin (z.B. Neurontin®, zahlreiche Generika, alle Rp), Pregabalin (z.B. Lyrica® Rp).

 

Weitgehend unbekannte Mechanismen entfalten z.B.

  • Ethosuximid (z.B. Petinimid®, Suxinutin®, beide Rp), Mesuximid (z.B. Petinutin® Rp), Tiagabin (z.B. Gabitril® Rp), Levetiracetam (z.B. Keppra® Rp), Zonisamid (z.B. Zonegran® Rp), Rufinamid (z.B. Inovelon® Rp).

 

3. Neuroleptika

 

Alle verfügbaren Präparate sind für Sportler uneingeschränkt zugelassen, z.B.

Schwache Neuroleptika, die jedoch stark sedierend (beruhigend) wirken, z.B.

  • Chlorprothixen (z.B. Truxal® Rp), Sulpirid (Dogmatil®, Solian®, beide Rp), Levomepromazin (z.B. Nozinan® Rp),

 

Mittelstarke Neuroleptika, z.B.

  • Triflupromazin (z.B. Psyquil® Rp, in Österreich nicht mehr im Handel), Melperon (z.B. Buronil® Rp), Zuclopenthixol (z.B. Cisordinol® Rp), Perphenazin (z.B. Decentan® Rp), Protipendyl (Dominal forte® Rp, oft wird bei diesem Wirkstoff die schlafanstoßende Wirkung therapeutisch genutzt),

 

Sehr starke Antipsychotika, vorwiegend bis selektiv Antagonisten an Dopamin-D2-Rezeptoren, z.B.

  • Pimozid (z.B. Orap® Rp),

 

Sehr starke Antipsychotika, so genannte „atypische Neuroleptika“ mit speziellen Wirkungsprofilen, z.B.

  • Clozapin (z.B. Leponex® Rp), Risperidon (z.B. Risperdal®, zahlreiche Generika, alle Rp), Ziprasidon (z.B. Zeldox® Rp), Olanzapin (z.B. Zyprexa® Rp), Sertindol (z.B. Serdolect® Rp), Quetiapin (z.B.Seroquel®, Quetialan®, einige Generika, alle Rp), Zotepin (z.B. Nipolept® Rp), Aripiprazol (z.B. Abilify® Rp).

 

o   Anmerkung: Sonderanwendung (eigentlich Off-Label): Singultus (unstillbarer Schluckauf), z.B. Psyquil® (in Österreich nicht mehr im Handel), Buronil®, Haldol®, Nozinan®, alle Rp

4. Antidepressiva

 

Alle verfügbaren Präparate sind für Sportler uneingeschränkt zugelassen, z.B.

Selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer/Inhibitoren, SSRI, Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, z.B.

  • Citalopram (z.B. Seropram® Rp), Escitalopram (z.B. Cipralex® Rp), Fluoxetin (z.B. Fluctine®, Felicium®, Mutan®, Flux®, Positivum®, alle Rp), Fluvoxamin (z.B. Floxyfral® Rp), Paroxetin (z.B. Seroxat®, Paroxat®, Ennos®, alle Rp), Sertralin (z.B. Gladem®, Tresleen®, Adjuvin®, zahlreiche Generika alle Rp),

 

Serotonin-Antagonisten und Rückaufnahme-Inhibitoren (SARI), entsprechend duale serotonerge Antidepressiva (DSA), z.B.

  • Nefazodon (z.B. Dutonin® Rp), Trazodon (z.B. Trittico® Rp),

 

Selektive Serotonin- und Noradrenalin-Rückaufnahme-Inhibitoren/Hemmer (SNRI), z.B.

  • Milnacipran (z.B. Dalcipran®, Ixel®, beide Rp), Venlafaxin (z.B. Efectin®, zahlreiche Generika, alle Rp), Duloxetin (z.B. Cymbalta® Rp),

 

Serotonin-Rückaufnahme-Verstärker (SRE, Enhancer), z.B.

  • Tianeptin (z.B. Stablon® Rp),

 

Noradrenerge, spezifisch serotonerge Antagonisten (NaSSA), z.B.

  • Mirtazapin (z.B. Remeron®, Mirtabene®, zahlreiche Generika, alle Rp), Mianserin (z.B.Tolvon®, Miabene®, beide Rp),

 

Blockade präsynaptischer α-Rezeptoren, Selektive Noradrenalin-Rückaufnahme-Inhibitoren/Hemmer (NARI), z.B.

  • Reboxetin (z.B. Edronax® Rp), Atomoxetin (z.B. Strattera® Rp),

 

Hemmstoffe der Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin, z.B.

  • Bupropion, Synonymbezeichnung Amfebutamon (z.B. Wellbutrin®, Zyban®, beide Rp),

 

Monoaminooxidase-A-Hemmer (MAO-A-Hemmer), Reversible Inhibitoren der Monoaminoxidase (RIMA), z.B.

  • Moclobemid (z.B. Aurorix®, Rp),

 

Trizyklische Antidepressiva (TCA), auch geläufig unter Nicht-selektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (NSMRI) z.B.

  • Amitriptylin (z.B. Saroten®, Tryptizol®, in Limbitrol®, Kombination mit Chlordiazepoxid, alle Rp), Clomipramin (z.B. Anafranil® Rp), Doxepin (z.B. Sinequan® Rp), Dibenzepin (z.B. Noveril® Rp),

 

Tetrazyklische Antidepressiva, z.B.

  • Maprotilin (z.B. Ludiomil® Rp),

 

Phytopharmaka: Frei sind schließlich alle rezeptfreien pflanzlichen Antidepressiva auf der Basis von

  • Johanniskraut-Extrakten (z.B. Dr. Böhm Johanniskraut®, Esbericum®, Johanniskraut ratiopharm®, Kira®, Sanvita Johanniskraut®).

 

4.1. Anhang: Manisch-depressive Erkrankungen, Mittel zur so genannten Phasenprophylaxe
  • Lithium-Salze (z.B. Quilonorm® Rp) sind für Sportler freigegeben.

 

Ein weiterer Wirkstoff, der zur Stabilisierung der psychischen Befindlichkeit eingesetzt wird (Phasenprophylaxe), ist

  • Lamotrigin, siehe Kap. Antiepileptika

 

5. Parkinsonsche Erkrankung

 

Was die Parkinson-Therapeutika betrifft, ist die Therapie mit Levodopa und den Dopamin-Agonisten nach wie vor der Goldstandard in der Beginnphase der Erkrankung. Diese Arzneimittelgruppen sind für Sportler freigegeben. Es sind aber einige Einschränkungen bei den anderen zur Verfügung stehenden therapeutischen Gruppen zu beachten.

  • Levodopa, Synonymbezeichnung L-Dopa plus peripherer L-Dopa-Decarboxylasehemmstoff, z.B.
  • Levodopa (L-Dopa) plus Benseracid (z.B. Madopar® Rp), Levodopa plus Carbidopa (z.B. Sinemet®, Duodopa® Gel zur intestinalen Gabe, beide Rp),

o   Anmerkung: Das Präparat Restex® (100 mg L-Dopa, 25 mg Benserazid) ist gegen das Restless Legs Syndrom zugelassen und für Sportler frei.

Dopamin-Agonisten, Synonymbezeichnung Dopaminomimetika, z.B.

  • Bromocriptin (z.B. Umprel®, Parlodel®, beide Rp), Lisurid (z.B. Dopergin® Rp), Pergolid (z.B. Permax®, vormals Parkotil®, beide Rp), Ropinirol (z.B. Requip® Rp), Cabergolin (z.B. Cabaseril® Rp), Pramipexol (z.B. Sifrol®, Daquiran®, Mirapexin®, alle Rp), Rotigotin (z.B. Neupro TTS® Pflaster Rp),

 

Hemmstoffe der Monoaminoxidase B (MAO B), z.B.

  • Selegilin (z.B. Jumex®, Amboneural®, Xilopar® Lyotabl, alle Rp), Rasagilin (Azilect®, Rp),

o   Anmerkung: Selegilin scheint unter den spezifizierten Stimulanzien S6.b der Dopingliste auf. Hier ist also eine TUE-Bewilligung einzuholen, wenn der Wirkstoff kontinuierlich, d.h. auch während der Wettkampfzeit eingenommen werden soll.

  • Der wirkungsmäßig nahe verwandte Wirkstoff Rasagilin (z.B. Azilect® Rp) ist hingegen für Sportler uneingeschränkt frei.

 

Glutamat-Antagonisten, z.B.

  • Amantadin (z.B. Hofcomant® Rp),

o   Anmerkung: Das Produkt Hofcomant® steht unter anderem als Infusionslösung zur Verfügung, für die grundsätzlich das Anwendungsverbot nach M2.2 intravenöse Infusionen gilt. Da das Intensivtherapeutikum akinetischer Krisen weitgehend unter stationären Bedingungen eingesetzt wird, gilt das Infusionsverbot praktisch als ausgesetzt.

  • Spezialprodukt Apomorphin (z.B. Apo-go® Fertigspritze, Ampulle, Pen, alle Rp),

o   Anmerkung: Beim Produkt Apogo® ist nur die Infusionslösung in einer Fertigspritze 5 mg/ml freigestellt, die ein Gesamtvolumen von 10 ml (entsprechend 50 mg Apomorphin) hat. Die Ampullen zur Injektion bzw. Infusion sowie die Injektionslösung für den Pen sind aufgrund des Infusionsverbotes M2.2 nur nach einer Bewilligung nach dem TUE-Verfahren zu verwenden.

Zentrale Anticholinergika, z.B.

  • Biperiden (z.B. Akineton® Rp), Procyclidin (z.B. Kemadrin® Rp)

o   Anmerkung: Beim Produkt Akineton® sind Ampullen zur Infusion im Handel, für die grundsätzlich das Infusionsverbot nach M2.2 gilt.

  • Die Produkte Cogentin®, Sormodren®, Artane® sind in Österreich nicht mehr im Handel, wären aber für Sportler ebenfalls frei.

 

Catechol-O-Methyltransferase-Hemmstoffe, z.B.

  • Entacapon (z.B. Comtan® Rp), Tolcapon (z.B. Tasmar® Rp)

o   Anmerkung: Kombinationspräparate wie z.B. Stalevo® (Rp), sind ebenfalls uneingeschränkt für Sportler frei.

6. Zentrale bzw. arterielle Durchblutungsstörungen

 

Beispiele hier sind

  • Betahistin (z.B. Betaserc® Rp),
  • Cinnarizin (z.B. Cinnabene® Rp),
  • Flunarizin (z.B. Sibelium® Rp),
  • Nicergolin (z.B. Nicergin® Rp),
  • Aminophyllin (z.B. Trental® Rp) oder
  • Formulierungen mit Gingko (z.B. Tebonin®, Tebofortan®, Cerebokan®, alle Rp, Ceremin®, Gingko Lucovit®, beide Rpf). Es gibt keinerlei Einschränkungen für Sportler.

Anwendungsgebiete sind beispielsweise chronische Schwindelzustände, wie sie in Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen des Innenohres stehen können. Gingko wird zur Verbesserung der kognitiven Leistungen eingesetzt. Wirkstoffe wie Cinnarizin und Flunarizin haben ihren Platz auch in der Vorbeugung von Migräneanfällen.

7. Demenzielle Erkrankungen

 

In diesem Zusammenhang sind die neueren Produkte zur Begleitung der Alzheimerschen Erkrankung

zu erwähnen, die ohne Einschränkungen zur Anwendung kommen dürfen. Beispiele sind

  • Donazepil (z.B. Aricept® Rp) oder
  • Memantadin (z.B. Axura®, Ebixa®, beide Rp).

 

8. Migräne

 

Im Grunde streifen wir ein weiteres Unterkapitel der Schmerztherapie. Selbstverständlich dürfen im Rahmen der Migräneprophylaxe und -Therapie alle bisher genannten Arzneimittel gegen zentrale Durchblutungsstörungen sowie aus der klassischen Schmerztherapie zum Einsatz kommen.

Secale-Alkaloide wie

  • Dihydroergotamin und Codergocrin, Synonymbezeichnung Dihydroergotoxin (z.B. DHE ratiopharm®, Ergovasan®, Migranal®, in Tonopan®, alle Rp) sowie
  • Ergotamin (in Avamigran®, Synkapton®, beide Rp)

haben gefäßverengende Wirkungen und werden beispielsweise zur Behandlung von Blutniederdruck und zum Abfangen von Migräneanfällen verwendet. Sie sind für Sportler allesamt erlaubt.

Darüber hinaus stehen auch den Sportlern spezielle Migränetherapeutika wie die Serotonin-HT1B/D-Agonisten, z.B.

  • Sumatriptan (z.B. Imigran® Rp),
  • Naratriptan (z.B. Antimigrin® Rp, Formigran® Rpf, Präparat in Deutschland zugelassen) oder
  • Zolmitriptan (z.B. Zomig® Rp)

uneingeschränkt zur Verfügung.

9. Stimulanzien

 

Damit kommen wir zur Besprechung der Stimulanzien, einer heterogenen Wirkstoffgruppe, die uns in der Dopingliste in den Gruppen S6.a und S6.b sowie im Monitoring-Programm begegnet. Sie sind grundsätzlich in Wettkämpfen bzw. zur Wettkampfzeit verboten.

Die folgende überblicksmäßige Zusammenstellung ist gleichzeitig der Leitfaden für die detaillierte Diskussion:

  • Die arzneilich immer wieder eingesetzten Vertreter Modasomil (S6.a) und Methylphenidat (S6.b) wurden sind bewilligungspflichtig.

 

Andererseits bestehen für die Stimulanzien einige Ausnahmen und Erleichterungen, die in der Praxis eine Fülle von therapeutischen Freiheiten einbringen:

  • die Sonderregelungen für Adrenalin, das als Zusatz zu Lokalanästhetika und in lokalen Formulierungen wie Augen- und Nasentropfen freigestellt ist.
  • die Grenzwertregelungen für Cathin, Ephedrin und Methylephedrin,
  • die Freistellung der Imidazol-Derivate in Topika, z.B. Nasen- und Augentropfen, sowie
  • die Auslagerung einiger Stimulanzien in das Monitoring-Programm

 

Umgekehrt können sich aber bestimmte Homöopathika und Oxetacain (siehe Lokalanästhetika) als Dopingfallen entpuppen.

9.1. Ephedrin & Co

Typische Vertreter der Stimulanzien sind

  • Ephedrin, Methylephedrin und Cathin, für die Grenzwerte erlassen wurden, sodass sich doch ein gewisser therapeutischer Freiraum auftut. Sie betragen für Ephedrin und Methylephedrin 10 µg/ml und für Cathin 5 µg/ml Harn. Historisch gesehen ist Ephedrin (z.B. in Novipec®, Helopyrin®, Pilka forte® Tropfen, Coldargan® Nasentropfen und -spray, alle Rp, in Piniment® Nasensalbe Rpf, Kemeol®, Kemerhine®, in der Schweiz registrierte Nasentropfen-Formulierungen, beide Rp) so etwas wie die pflanzliche Muttersubstanz aller Stimulanzien.

o   Man darf die systemische Ausschwemmung von Ephedrin bzw. verwandten Wirkstoffen  aus Nasenformulierungen nicht unterschätzen!

o   In Österreich ist Ephedrin mittlerweile weitgehend außer Verkehr. Zur Wettkampfzeit sollten Ephedrin enthaltende Arzneimittel rechtzeitig abgesetzt werden.

  • Ein nahe verwandter Wirkstoff ist Etilefrin (z.B. Effortil®), das als kreislaufstützendes Arzneimittel sowohl bei Blutniederdruck als auch bei symptomatischer Hypotonie eingesetzt wird. Vor Wettkämpfen sind Präparate mit diesem Wirkstoff tunlichst und rechtzeitig abzusetzen, sofern nicht eine Bewilligung vorliegt.

 

9.2. Sibutramin, Antiadiposita

In diesem Zusammenhang bietet sich auch die Besprechung der Mittel zur Reduktion des Körpergewichts und zur Beeinflussung des Fettstoffwechsels, der so genannten Antiadiposita, an, da die klassischen Vertreter chemisch und funktionell zu den Stimulanzien zählen. Ihre Wirkung besteht im Wesentlichen darin, dass sie im Zentralnervensystem unser Appetitzentrum auf Sparflamme stellen.

  • Bis zum Jahr 2000 waren mehrere registrierte Vertreter aus dieser Gruppe in Gebrauch, die wegen eines ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses, des Auftretens schwerer Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System und zahlreicher Todesfälle weltweit ihre Zulassungen verloren, z.B. Adipex retard®, Isomeride®, Mirapront®, Ponderax®, Regenon retard®.
  • Mittlerweile ebenfalls vom Markt genommen wurde der Wirkstoff Sibutramin (z.B. Reductil® Rp).

 

Antiadiposita mit anderen Wirkstoffen und alternativen Wirkungsmechanismen sind hingegen ohne Einschränkung für Sportler erlaubt, z.B.

  • Orlistat (z.B. Xenical® Rp, Alli® Rpf),
  • Methylcellulose (z.B. Cellobexon®, CM3-Alginat®),
  • Glucomannan, Polyglucosamin (diverse „Slim“-Produkte, z.B. CarboSlim®, Formoline L112®),
  • Formulierungen, die den Stoffwechselrhythmus steuern (z.B. TurboSlim®),
  • sowie Formulierungen auf homöopathischer Basis wie z.B. Cefamadar®, Gacela® und Gracil®.

 

9.3. Strychnos und Homöopathika

Schließlich ist auf eine Dopingfalle hinzuweisen, nämlich auf registrierte Homöopathika, die Strychnin und Brucin in Form der potenzierten Stammpflanzen Strychnos nux vomica und Strychnos ignatii enthalten, z.B. in Gastricumeel®, Nervoheel®, Relax®, Vomitusheel® und Nux vomica Homaccord®. Gewissermaßen vorbeugend wurden sie mit Hinweis „enthalten Stimulanzien und sind im Wettkampf verboten“ auf die Dopingliste gesetzt, um Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen, wenn sie glauben, über den Umweg eines Homöopathikums Doping durch die Hintertür betreiben zu können. Ein gewisser Erklärungsbedarf entsteht natürlich bei Produkten, die nicht nach dem Arzneimittelgesetz registriert und daher nicht in den offiziellen Listen bewertet sind und ebenfalls potenzierte Strychnossamen enthalten, wie z.B. Apozema Nr. 34 Stuhlregulierungstropfen® oder Similasan Tabletten gegen Magenbeschwerden®. Tatsächlich sind aber die in allen genannten Produkten enthaltenen Mengen an Strychnin so gering, dass es praktisch unmöglich ist, einen wirksamen Spiegel aufzubauen. Zudem sind einige der genannten Präparate rezeptpflichtig, was den Zugang ebenfalls erschwert.

9.4. Nasentropfen

Bei der symptomatischen Behandlung unkomplizierter Schnupfenformen dürfen Sportler ohne Einschränkungen die üblichen lokalen, abschwellenden Arzneimittel anwenden, z.B.

  • Naphazolin (z.B. Coldan®, in Coldistan®, Rhinon®, Rhinoperd®, jeweils Nasentropfen, jeweils Rp),
  • Oxymetazolin (z.B. Nasivin®, Wick Sinex Aloe®),
  • Tetryzolin (in Österreich derzeit nicht registriert),
  • Tramazolin (z.B. in Rhinospray plus®) oder
  • Xylometazolin (z.B. Otrivin®, ratioSoft®).

 

Aus dem Kapitel Antiallergika ist abzuleiten, dass Kombinationen mit Wirkstoffen aus dieser Gruppe mit schleimhautabschwellenden Substanzen ebenfalls für Sportler frei sind, z.B.

  • Phenylephrin mit Dimetinden (z.B. Vibrocil®).
  • Naphazolin mit Diphenhydramin (z.B. Luuf® Nasenspray).

 

Das einzige Produkt dieser Gruppe, das mit Hinblick auf die Dopingliste für Sportler wenig geeignet ist, ist das rezeptfreie Fentrinol®. Das Präparat enthält nämlich die Kombination aus Amidefrin und Cetylpyridiniumchlorid, wobei die Schleimhaut abschwellende Komponente Amidefrin auch eine beta-blockierende Teilwirkung besitzt. Damit gelten die Einschränkungen in bestimmten Sportarten, wie sie unter der Rubrik P2 der Dopingliste vermerkt sind.

  • Wie oben dargestellt, sind Ephedrin-haltige Nasentropfen mit Hinblick auf die Dopingbestimmungen für Sportler eher ungeeignet, weil der Grenzwert bei unkontrollierter Zufuhr überschritten werden könnte. Dabei ist es unerheblich, ob das Präparat rezeptpflichtig (z.B. Coldargan® Nasentropen und -spray) oder rezeptfrei (z.B. Piniment® Nasensalbe) ist.
  • Keine Probleme hingegen bringt die Verwendung homöopathischer Nasenformulierungen wie z.B. Delufen®, Euphorbium compositum® oder Luffa compositum®.

 

9.5. Augentropfen

Diese Aussagen gelten sinngemäß auch für Arzneimittel, die zur Anwendung am Auge bestimmt sind. Die Indikation sind unkomplizierte, nicht bakterielle Entzündungen der Bindehaut, wie sie allein oder in Zusammenhang mit Erkältungserkrankungen vorkommen können. Beispiele für solche Augentropfenformulierungen sind

  • Naphazolin (z.B. Aconex®, Coldan®, Coldistan®, Coldophthal®, jeweils Rp, Ophtaguttal® Rpf),
  • Phenylephrin (z.B. Visadron®).

 

10. Stimulanzien im Wettkampf-Monitoring-Programm

 

10.1. Coffein
  • Coffein ist abgesehen von einem Monopräparat (z.B. Coffekapton® Rpf) und einem Kombinationspräparat gegen Reiseübelkeit (in Neo-Emedyl® Rp) hauptsächlich Komponente in Schmerz- und Erkältungspräparaten, z.B. Coffo-Selt® (Rp), Duan®, InfluASS®, Irocophan®, Thomapyrin® (alle Rpf).
  • Präparate, die als Kombinationspartner Propyphenazon enthalten, fallen neuerdings unter die Rezeptpflicht (z.B. Adolomed®) bzw. wurden vom Markt genommen (z.B. Gewadal®, Saridon®).

 

Auch die dem Coffein strukturell verwandten, aber mit anderen maßgeblichen Wirkungsqualitäten ausgestatteten Verbindungen wie

  • Theophyllin (z.B. Euphyllin®, Respicur®, beide Rp) oder
  • Aminophyllin (z.B. Trental® Rp)

sind ohne Einschränkung für Sportler zugelassen. Theophyllin begegnet uns im Kapitel Asthma bronchiale, Aminophyllin ist für die Behandlung bestimmter Durchblutungsstörungen zugelassen.

10.2. Bupropion, Synonymbezeichnung Amfebutamon

In jüngerer Zeit gab es einige Studien zu

  • Bupropion als Coffein-Ersatz (Synonymbezeichnung Amfebutamon, z.B. Wellbutrin®, Zyban®), das keine nennenswerte leistungssteigernde Wirkung hat und daher im WMP verbleiben kann. Als ernst zu nehmender, limitierender Faktor zeigt sich eine Erhöhung der Körpertemperatur bei höheren Dosierungen.

 

10.3. Nikotin

Ein wenig überraschend wurde 2012 Nikotin ins das WMP aufgenommen. Durch die Verfügbarkeit von Nikotin in Form der rezeptfreien Nikotin-Ersatzpräparate zur Raucherentwöhnung war ein Trend auszumachen, die Nikotin-Wirkungen auf eine Leistungssteigerung im Sport zu fokussieren.

Unerwünschte Wirkungen sind häufiger Stuhldrang, die Begünstigung von Magen-Darm-Geschwüren, Brennen der Mundschleimhaut beim raschen Kauen eines Nikotin-Kaugummis, lokale Unverträglichkeiten auf der Haut beim Kleben von Nikotin-Plastern.

  • In Österreich registrierte Produkte sind z.B. Nicorette®, Nicotinell®, Niquitin mini®.

 

10.4. Pseudoephedrin

Ein besonderes Augenmerk verdient schließlich

  • Pseudoephedrin (z.B. in Aspirin complex® Rpf, in Clarinase® Rp).

Der Wirkstoff war bis 2003 im Sport generell verboten, per 2004 wurde er in das damals neu geschaffene Wettkampf-Monitoring-Programm aufgenommen. Wegen des während der folgenden sechs Jahre stetig gestiegenen Missbrauchs von Pseudoephedrin wurde der Wirkstoff 2010 mit einem Grenzwert versehen, bei dessen Überschreiten er in die Stimulanzien S6.b zurück fällt. Bis zum Erreichen der erlaubten Grenzkonzentration von 150 µg/ml Harn verbleibt Pseudoephedrin aber im Monitoring-Programm. Darüber hinaus wird Pseudoephedrin im menschlichen Organismus bis zu 7% zu Cathin biotransformiert, das unter den Stimulanzien der Gruppe S6.b aufscheint und mit einem Grenzwert versehen ist (5 µg/ml Harn). Bei wiederholter Zufuhr von Pseudoephedrin besteht die Gefahr, dass Cathin sich sekundär kumulativ anreichert und seinen Grenzwert relativ früher überschreitet.

Aufgrund der vorliegenden Studien lautet die Empfehlung der WADA, die Tagesmaximaldosis von 240 mg keinesfalls zu überschreiten, wobei die Stückelung dieser Tagesmenge unerheblich ist, z.B. 8-mal 30 mg, 4-mal 60 mg, 2-mal 120 mg oder 1-mal 240 mg. Schließlich sollte die Medikation 24 Stunden vor einem Wettkampf gestoppt werden, um über jede Unterstellung einer beabsichtigten Leistungssteigerung erhaben zu sein, die in diesem Dosierungsbereich auch gar nicht zu erwarten ist.[iii]

Die Verwendung der in Österreich zugelassenen Arzneimittel Aspirin complex® (30 mg Pseudoephedrin, Rpf) und Clarinase® (120 mg Pseudoephedrin, Rp) wird im therapeutischen Rahmen immer zu Harnspiegeln im grünen Bereich führen, z.B. 6-mal 1 Beutel Aspirin complex® oder 2-mal 1 Manteldragee Clarinase®. Dessen ungeachtet sind die Präparate im Sinne einer erzieherischen Maßnahme in der österreichischen Datenbank als „dopingpositiv“ eingestuft.

10.5 Phenylpropanolamin, Phenylephrin (Oxedrin), Synephrin

Die Äquivalenzdosis von Phenylpropanolamin und Phenylephrin im Vergleich zu Pseudoephedrin liegt bei 100 mg täglich, bei Synephrin beträgt sie 300 mg. Bis zu diesen Tagesdosen gelten die Wirkstoffe als sicher.

  • Phenylpropanolamin (z.B. in Wick DayMed®, Präparat in Deutschland zugelassen, Phenylpropanolamin-Gehalt 12,5 mg/Hartkapsel),
  • Phenylephrin (z.B. in Neo Citran®, Phenylephrin-Gehalt 10 mg/Beutel, in Vibrocil® Nasentropfen),
  • Synephrin (= Oxedrin, z.B. Sympatol®, Synephrin-Gehalt 100 mg/g Lösung, Präparat nicht mehr im Handel).

 

10.6. Pipradrol

Pipradrol wurde in den 1950-er Jahren als Appetitstimulans entwickelt und gilt als mildes zentrales Stimulans. Später versuchte man den Indikationsrahmen auf Narkolepsie, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom sowie Demenzzeichen auszuweiten. Die Richtdosierung liegt zwischen 0,5 und 4 Milligramm pro Tag, die Wirkung hält bis zu 12 Stunden an.

  • Die ursprüngliche Handelsbezeichnung war Meretran®, das Produkt wurde aber in den meisten Ländern vom Markt genommen.

 

Atemwegserkrankungen

 

1. Hustenmittel

1.1. Reizhustentherapeutika

Das Thema „Husten“ ist bereits bei der Besprechung der starken Schmerzmittel angeklungen, weil einige Wirkstoffe, die zur Schmerztherapie für Sportler erlaubt sind, gleichzeitig eine hustenreizstillende Wirkung haben. Sportler dürfen deshalb die Anwendung von z.B.

  • Codein (z.B. Codipertussin®, Codipront mono®, in Resyl mit Codein®, Codelum®) oder
  • Dihydrocodein (z.B. Paracodin®, Codidol®, beide Rp) in dieser Indikation in Betracht ziehen.

 

Reine Reizhustentherapeutika, die Sportler verwenden dürfen, sind

  • Clobutinol (in Österreich derzeit nicht registriert),
  • Dextromethorphan (z.B. Tussastopp® Saft, in Wick Formel 44® Hustenpastillen, beide Rpf,in Wick Erkältungssaft für die Nacht® Rp),
  • Isoaminil (in Österreich derzeit nicht registriert),
  • Noscapin (z.B. Tuscalman® Rp),
  • Pentoxyverin (z.B. Sedotussin® Rp),
  • Pipacetat (in Österreich derzeit nicht registriert).

 

1.2. Hustentherapeutika mit schleimlösender Wirkung

Der Wert einer schleimlösenden Therapie für die Reinigung der Atemwege muss hier nicht diskutiert werden. Es sind sämtliche gebräuchliche Wirkstoffe für Sportler uneingeschränkt frei gegeben, z.B.

  • Acetylcystein (z.B. Aeromuc®, Acetylcystein Hexal® Rp, Fluimucil®, alle Rpf Mucobene® Rp),
  • Ambroxol (z.B. Mucosolvan®, Ambrobene®, beide Rp),
  • Bromhexin (z.B. Bisolvon® Rpf),
  • Guaifenesin (z.B. Resyl® Rpf, Resyl mit Codein® Rp),
  • Carbocistein (in Österreich derzeit nicht registriert),
  • Myrtenol (z.B. Gelomyrtol® Rpf),
  • Spiköl (z.B. Tavipec® Rpf) und
  • Tyloxapol (z.B. Tacholiquin® Rpf)

 

Auch sind sämtliche typische pflanzliche Hustenmittel für Sportler unproblematisch anzuwenden, z.B.

  • Babix® Inhalationslösung, Solubifix® (vormals Bronchialtee Heumann®), Bronchipret® Tropfen, Bronchostop®-Produkte, Luuf Efeu® Pastillen, Luuf® Balsam, Pilka® Tropfen, Piniment® Salbe (nicht Nasensalbe!), Prospan®-Produkte, Scottopect®-Produkte, Sinupret®, Solvopret®, Tussamag® Salbe, Tussimont®-Produkte, Hustensaft Weleda®, Wick VapoRub®. Alle genannten Produkte sind Rpf.

 

Schließlich sind alle typischen Husten- und Bronchialtees für Sportler erlaubt.

1.3. Abschließende Bemerkungen
  • An dieser Stelle sei noch einmal der Hinweis auf den möglichen Alkohol-Gehalt in Tropfenformulierungen angebracht. Schluckarzneiformen, Alkohol-freien Säften, Brausetabletten oder Lutschpastillen ist gegebenenfalls der Vorzug zu geben.
  • Verboten für Sportler in Bezug auf die Dopingbestimmungen ist das Präparat Mucospas® Rp, das den erlaubten schleimlösenden Wirkstoff Ambroxol in Kombination mit dem streng verbotenen Beta-2-Agonisten mit anabolen Wirkungen Clenbuterol enthält (S1.2, S3)!
  • Von Acetylcystein gibt es ein Konzentrat zur Antidotbereitung zur Behandlung von Paracetamol-Vergiftungen (z.B. Fluimucil® Rp). Hier ist wieder das Infusionsverbot zu bedenken (M2.2).

 

2. Asthma bronchiale und chronisch-obstruktive Atemwegserkrankungen

 

2.1. Beta-2-Agonisten, Glucocorticosteroide

Stehen grundsätzlich auf der Verbotsliste, für die theraeutische Praxis gelten aber Ausnahmebestimmungen für bestimmte Beta-2-Agonisten und alle Glucocorticosteroide, wenn sie lokal, d.h. in Form von inhalativen Formulierungen angewendet werden.

Seit 2012 gilt bei den drei Beta-2-Agonisten Formoterol, Salbutamol und Salmeterol, dass sie – gegebenenfalls unter Beachtung bestimmter Einschränkungen – ohne Bewilligung und verwendet werden dürfen. Die Verwendung von diese Wirkstoffe enthaltenden Arzneimitteln ist aber vom Sportler anzugeben.

Für Salbutamol gilt wie bisher der Grenzwert von 1000 ng/ml Harn bzw. eine Höchstdosis von 1600 µg/24 Stunden bei inhalativ-therapeutischer Zufuhr, also z.B. maximal 4 Inhalationen mit z.B. Sultanol Diskus® 0,4 mg oder 8 Sprühstöße mit z.B. Sultanol Spray®. Der Zusammenhang zwischen einer inhalierten Tagesmaximalmenge von 1600 µg und einem tolerierten Harnspiegel von kleiner als 1000 ng/ml ist für Salbutamol gut abgesichert. Wird ein Sportler mit einem Wert größer als 1000 ng/ml vorgefunden (Adverse Analytical Finding), wird ein Dopingvergehen bzw. eine andere als die inhalative Anwendung unterstellt. Es wird dem Sportler aber zugestanden, mittels einer kontrollierten Pharmakokinetikstudie zu beweisen, dass sein Metabolisierungsstoffwechsel so langsam arbeitet und er mit der erlaubten inhalativen Maximaldosis von 1600 µg/24 Stunden einen derart hohen Wirkstoffspiegel aufbaut.

Für Salmeterol ist die korrekte Anwendung nach den Angaben der Hersteller bis auf Weiteres zur Gänze dem Sportler überlassen.

Seit 2012 neu aufgenommen wurde Formoterol bei inhalativer Zufuhr von bis zu 36 µg/24 Stunden. Im Urin darf die Formoterol-Konzentration 30 ng/ml nicht übersteigen. Dieser Dosierungsrahmen wird per 2013 auf 54 µg/24 Stunden bzw. auf eine Urinkonzentration von 40 ng/ml ausgeweitet. Bei einem Adverse Analytical Finding gelten die Hinweise wie bei Salbutamol. Die WADA berichtet in ihrem Erläuterungsblatt zur Dopingliste von länderspezifischen Unterschieden in der erlaubten Höchstdosis. Von 12 µg einer angegebenen Arzneimittelfreisetzung stehen 9 µg tatsächlich zur Verfügung. Mit einer verordneten Dosis von zweimal zwei Turboinhalationen erreicht der Patient genau die Tagesdosis von 36 µg, die 2012 freigegeben war. In einigen Ländern sind jedoch 54 µg/24 Stunden Höchstdosis in akuten Exacerbationen der Asthmaerkrankung zugelassen, wogegen auch im Hinblick auf Doping nichts spricht. Einem permanenten Höchstdosengebrauch ist schließlich mit der Angabe eines Harngrenzwertes ein Riegel vorgeschoben.

Präparate, die einen der drei genannten Wirkstoffe enthalten, wie z.B.

  • Buventol®, Combivent® Dosieraerosol, Di-Promal®, Foradil®, Foster®, Novolizer Formoterol®, Novolizer Salbutamol®, Oxis®, Seretide®, Serevent®, Sultanol®, Symbicort®, Ventide® und Viani® (alle Rp) sind in ihren inhalativen Formulierungen im Jahr 2014 für Sportler frei verschreibbar und anwendbar.

 

Wie angedeutet sind sind die Glucocorticosteroide bei inhalativer Anwendung ebenfalls freigestellt, sodass hier ein beachtlicher therapeutischer Freiraum besteht.

  • Beispiele für 2014 frei verwendbare Inhalationstherapeutika sind Aerocortin®, Alvesco®, Becotide®, Budiair®, Flixotide®, Novolizer Budenosid® und Pulmicort® (alle Rp).

 

o   Anmerkung: Vorsicht ist bei Kombinationen mit anderen Beta-Mimetika als Formoterol, Salbutamol, Salmeterol am Platz, weil sich diese Produkte als Dopingfalle erweisen würden.

2.2. Atropin-artig wirksame Spasmolytika

Es gibt keinerlei Einschränkungen bei Präparaten wie

  • Ipratropiumbromid (z.B. Atrovent®, in Combivent® Dosieraerosol, beide Rp),
  • Tiotropiumbromid (z.B. Spiriva® Rp) oder
  • Oxitropiumbromid (z.B. Ventilat® Rp, Präparat in Deutschland zugelassen),

wenn sie als Monotherapeutika Atropin-artig wirksame Spasmolytika enthalten.

Für neuere Wirkstoffe und Produkte, die seit Mai 2013 im Handel sind, gilt Analoges:

  • Aclidiniumbromid (so genannter LAMA = Langwirksamer Muskarin-Rezeptor-Antagonist, z.B. Bretaris Genuair® 322 µg, Eklira Genuair®, Dosierung jeweils 2-mal täglich, beide Rp),
  • Glycopyrroniumbromid (z.B. Seebri Breezhaler®, Hartkapseln 44 µg, Inhalation 1-mal täglich, Rp)

 

Eine genauere Betrachtung verdienen einmal mehr die Kombinationspräparate aus dieser Gruppe. Zwei sehr bekannte Produkte, nämlich Combivent® und Berodual®, enthalten neben Ipratropiumbromid einen Beta-2-Agonisten. Der Kombinationspartner in Combivent® ist das freigegebene Salbutamol, während in Berodual® Fenoterol enthalten ist. Dieser Beta-2-Agonist bedarf einer Bewilligung nach den TUE!

o   Anmerkung: Wegen der Überschreitung der Tagesmaximaldosis von 1600 µg Salbutamol pro 24 Stunden ist die Verordnung und Verwendung der Combivent® Inhalationslösung für Sportler ungeeignet.

Die übrigen Wirkstoffgruppen, die ihren Platz im Indikationskreis Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Atemwegserkrankungen haben, sind ebenfalls ohne Einschränkungen für Sportler freigegeben. Dazu zählen etwa die

2.3. Leukotrien-Antagonisten
  • Montelukast-Natrium (z.B. Singulair® Rp, einige Generika, alle Rp) oder
  • Zafirlukast (in Österreich derzeit nicht registriert),

die sich bei asthmatischen Beschwerden, die durch körperliche Anstrengungen ausgelöst oder mitverursacht sind, bewährt haben.

Zu guter Letzt ist das unter die

2.4. Methylxanthine

zu reihende

  • Theophyllin (z.B. Euphyllin®, Respicur®, beide Rp)

für Sportler ohne Einschränkung zugelassen.Der Wirkstoff begegnete uns bereits bei der Besprechung der Stimulanzien. Im gegenständlichen Zusammenhang wird er Verbesserung der Tätigkeit der Atemmuskulatur während des Nachtschlafes oder als Notfalltherapeutikum zur Kupierung nächtlicher Asthma-bronchiale-Anfälle (Ampullen, die als Trinkampullen angewendet werden) eingesetzt.

Antiallergika

 

Unverträglichkeiten verschiedener Stoffe, Stoffgruppen und Nahrungsmittel sowie klinisch manifeste Allergien können, ähnlich wie in der Allgemeinbevölkerung, auch für Sportler eine bedeutsame Beeinträchtigung darstellen. Umso erfreulicher ist daher, festhalten zu können, dass die meisten Gruppen von Therapeutika im Indikationskreis allergische Erkrankungen in Bezug auf die Dopingbestimmungen uneingeschränkt angewendet werden können. Entwickeln Allergiker asthmatische Symptome, so dürfen die Antiallergika mit den im Kapitel Atemwegserkrankungen erwähnten Substanzen kombiniert werden.

Typische Antiallergika, im Wesentlichen Vertreter aus der Gruppe der klassischen

1. Histamin-H1-Rezeptorantagonisten

 

sowohl in der lokalen als auch in der systemischen Anwendung, sind z.B.

  • Azelastin (Allergodil® Augentropfen, Nasenspray, beide Rp, Allergospray® Nasenspray Rpf),
  • Bamipin (z.B. Soventol® Gel Rpf),
  • Cetirizin (z.B. Zyrtec®, mehrere Generika, alle Rp, Cetirizin Alternova® Rpf) und Levocetirizin (z.B. Xyzall®, einige Generika, alle Rp),
  • Chlorphenamin (in Grippostad® Rpf),
  • Clemastin (in Österreich derzeit nicht registriert).
  • Loratadin (z.B. Clarityn®, Loratadin 1a Pharma®, Loratadin ratiopharm®, Loratyn®, ratioAllerg®, alle Rpf, Lorano® Rp) und Desloratadin (z.B. Aerius®, einige Generika, alle Rp),
  • Dimetinden (z.B. Fenistil® Gel, in Vibrocil® Nasenformulierungen, alle Rpf),
  • Dimenhydrinat (z.B. Emedyl Rpf, in Neo-Emedyl® Rpf, Kombination mit Coffein, daher keine besonders clevere Empfehlung!),
  • Diphenhydramin (z.B. Calmaben®, Dibondrin® Salbe, in Luuf® Nasenspray, alle Rpf),
  • Levocabastin (z.B. Livostin® Augentropfen, Nasenspray, beide Rpf) oder
  • Pheniramin (z.B. in Neo Citran® Rp),
  • Tripelenamin (z.B. Azaron® Stift, Rpf, in Österreich derzeit nicht erhältlich).

 

o   Anmerkungen: Einige H1-Antihistaminika sind als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, insbesondere gegen Reiseübelkeit zugelassen.

o   Diphenhydramin wird im Kap. Beruhigungsmittel besprochen.

2. Antiallergika mit Sonderstatus

 

Frei für Sportler sind auch alle Antiallergika mit Sonderstatus, also z.B. die so genannten

Zytoplasmamembranstabilisatoren, z.B.

  • Cromoglicinsäure (z.B. Intal®, Lomusol®, Vividrin®, alle Rp, Allergo-Comod® Augentropfen, Nasenspray, Cromoglin® Nasenspray, alle Rpf),
  • Ketotifen (z.B. Zaditen® Rp) oder
  • Nedocromil (z.B. Tilade® Nasenspray Rp).

 

Weitere freie Antihistaminika sind

  • Insecticum Apozema®, Euceta mit Kamille®, beide Rpf.

 

Wer Allergien kausal behandeln möchte, darf Kuren mit den diversen Präparate zur spezifischen Desensibilisierung durchführen, z.B.

  • Grazax®, Oralair®. Produkte wie Alk-oral®, Allergovit®, Alutard®, Alutard SQ®, Novo-Helisen®, Novo-Helisen oral®, Slit one® (alle Rp) sind mangels Monografie in der Austriacodex-Fachinformation auch in der Medikamentenliste nicht bewertet, aber für Sportler als frei gegeben zu betrachten.

 

3. Anhang: Antiallergisch wirksame Stoffe und Arzneispezialitäten, bei denen Vorsicht geboten ist

 

Verboten zur Wettkampfzeit sind hingegen (wie aus den Vorkapiteln bereits klar abzuleiten) die Glucocorticosteroide, die gelegentlich gegen saisonale Allergien intramuskulär gespritzt werden, z.B. Celestan®, Dexabene®, Diprophos®.

Auch Glucocorticosteroide, die als Antiemetika peroral oder intravenös eingesetzt werden, sind zur Wettkampfzeit nach den TUE bewilligungspflichtig, z.B. Fortecortin®, Urbason®.

Für Leistungssportler verboten ist das Notfalltherapeutikum Epipen®, das das zu den Stimulanzien S6.b gerechnete Adrenalin enthält. Hier wäre also gegebenenfalls ein TUE-Verfahren zu durchlaufen. Bei Erbringen der entsprechenden Befunde sollte die Bewilligung allerdings kein Problem darstellen.

Impfungen, Immuntherapeutika

 

Im Zusammenhang zu Erkältungstherapeutika und Asthmamitteln bietet es sich an, die Immuntherapie abzuhandeln. Für Impfungen bei Sportlern gibt es keinerlei Einschränkungen. Es empfiehlt sich aber in Abstimmung mit dem Trainings- und Wettkampfkalender einen geeigneten Zeitpunkt zu wählen und zu Wettkämpfen 14 Tage Abstand zu halten.

Frei in Bezug auf die Dopingbestimmungen sind auch alle Immuntherapeutika auf der Basis

  • lyophilisierter immunaktiver Lysate aus Bakterienstämmen (z.B. Bronchovaxom®, Buccalin®, Luivac®, Urovaxom®, Präparat in Deutschland zugelassen, alle Rp, Ribomunyl®, Rpf) sowie

 

Formulierungen aus

  • Echinacea (z.B. Echinacin®, Echinacea ratiopharm®, Echinaforce®, in Esberitox®, alle Rpf),
  • Pelargonien-Arten (z.B. Kaloba®, Umckaloabo®, Präparat in Deutschland erhältlich. beide Rpf),
  • Sambucus (z.B. Sambucol®, Zulassung zurückgelegt),
  • Ginseng (z.B. Ginsana®, in Ginseng plus Dr. Böhm®, beide Rpf) oder
  • Eleutherococcus.

 

Des Weiteren sind Homöopathika aus dieser Gruppe, wie z.B.

  • Esberitox® oder Symbioflor® freigestellt.