Doping

anabole_neu

Abgesehen vom anhängigen Salbutamol-Fall des britischen Radprofis Chris Froome blieb das Jahr 2017 ohne gröbere Dopingaffären. Pünktlich stehen die Dopingbestimmungen für 2018 zur Verfügung und Beachtung. Die Olympiade in Sotschi 2018 wirft ihre langen Schatten auf die russischen Athletinnen und Athleten des Jahres 2018.

Gerade zu einen Quantensprung gilt es jedoch aus der Sektion der unerlaubten Methoden zu berichten, wo mit dem nunmehrigen Punkt M3.2 Neuland betreten wird, indem ab 2018 Manipulationen direkt auf der Ebene der DNA im Sinne von Doping verboten sind.
Schließlich wurde in der Sektion III „Substanzen, die in bestimmten Sportarten verboten sind“ die Rubrik P1 Alkohol ersatzlos gestrichen, sodass 2018 nur die Beta-Blocker verbleiben; sie rücken von P2 auf und bilden nun P1 (P = Particular).

Es fällt auf, dass die WADA per 2018 sehr viel mehr Wirkstoffbeispiele expressis verbis ergänzt. Offenbar will man der „Ahnungslosigkeitsstrategie“ einzelner Sportler und Verbände stärker entgegentreten, die im Fall der Aufdeckung der Verwendung einer ungenannten Substanz keine Vorstellung gehabt haben wollen, dass chemisch oder pharmakodynamisch analoge Wirkstoffe und Derivate zu gelisteten Substanzen ebenfalls unter die Verbotsbestimmungen fallen. An verschiedenen Stellen abgedruckte Einschlusspassagen wie „and their metabolites and isomers, including but not limited to“, „and other substances with similar chemical structure or biological effect(s)“ oder „including all optical isomers, e.g. d- and l- where relevant, are prohibited“ scheinen – je nach Betrachtungsweise – für ausgefuchste oder kreative Geister mitunter einen zu großen Spielraum offenzulassen, und davor will oder muss man die SportlerInnen schützen. Gleichzeitig lässt die WADA wie in den Beispielen der Wachstumsfaktoren (S2.2.3) und der gentechnischen Fortschritte (M3.2) keinen Zweifel, dass sie alle Neuentwicklungen dieser verlockenden mutmaßlichen Leistungsverbesserer sehr genau verfolgt. Die SportlerInnen dürfen auch davon ausgehen, dass eine entsprechende Analytik vorhanden ist, sodass die Verbotshinweise keinesfalls zahnlos sind.
Als Service sind zu den verbotenen Substanzen jeweils in Österreich gebräuchliche registrierte Arzneispezialitäten erwähnt. Dies ist natürlich keinesfalls als Kriminalisierung der Medikamente gedacht, soll aber ein unmittelbareres Bewusstsein wachrufen, dass sowohl die Verordnung als auch der rezeptfreie Erwerb von Apothekenprodukten ohne flankierende Erwirkung einer medizinischen Ausnahmegenehmigung (Therapeutic Use Exemption, TUE) im Fall der Fälle ein Doping-Vergehen begründen kann.

Somit präsentiert sich die Dopingverbotsliste 2018 wie folgt:

Prämisse: Die Substanzen und Methoden der Rubriken S1, S2, S4.4, S4.5, S6.a sowie alle verbotenen Methoden M1, M2 und M3 gelten als „nicht spezifiziert“. Im Falle ihrer Aufdeckung hat der Sportler/die Sportlerin keine Möglichkeit, wirksam zu argumentieren oder gar ein „Versehen“ glaubhaft zu machen.
Die übrigen Rubriken, als S3, S4.1-S4.3, S5, S6b, S7, S8 und S9 gelten als „Non-specified“, was im Falle des Nachweises einen gewissen Verhandlungsspielraum für den Athleten/die Athletin und die Verbände in Bezug auf das Strafausmaß zulässt.

Sektion I: Substanzen (S) und Methoden (M), die im Training und im Wettkampf, d.h. zu jeder Zeit verboten sind, „In- and Out-of-Competition“
Substanzen

S0 Nicht zugelassene Substanzen
Substanzen in der Pipeline, Substanzen in (vor)klinischer Prüfung, Human- und Veterinärgebrauch

S1 Anabole Substanzen
S1.1 Androgene anabole Steroide (AAS)
S1.1a Exogene AAS
z.B. 1-Androstendiol, 1-Androstendion, 1-Androsteron, Clostebol, Danazol, Gestrinon, Mestanolon, Methyltestosteron, Norboleton, Oxabolon, Oxandrolon, Quinbolon, Stanozolol, Tetrahydrogestrinon, Trenbolon
S1.1b Endogene AAS
z.B. Androstanolon, 5-Androstendiol, 4-Androstendion, Androstenon (Syn. Delta-2), Boldenon*, Boldion*, Epitestosteron, Etiocholanolon, Nandrolon* (z.B. Deca-Durabolin®), 19-Norandrostendiol, 19-Norandrostendion*, 19-Norandrosteron, 19-Noretiocholanolon, Prasteron (Dihydroepiandrosteron, DHEA, in Gynodian®), Testosteron (z.B. Nebido®, Testogel®)
* Die mit dem Sternchen gekennzeichneten Wirkstoffe wurden bereits 2017 aus S1.1a nach S1.1b verschoben, womit man dem Umstand Rechnung trug, dass sie auch endogen in geringen Mengen gebildet werden können und daher eine gewisse Toleranz benötigen.
S1.2 Andere anabole Wirkstoffe
• Clenbuterol (z.B. in Mucospas®, Spiropent®, in Ö außer Verkehr),
• Selektive Androgen-Rezeptor-Modulatoren (SARMs), z.B. Andarine, LGD-4033*, Ostarine (Syn. MK-2866), RAD140*,
• Tibolon (z.B. Liviel®, Tiloria®),
• Zeranol,
• Zilpaterol
* 2018 neu aufgenommen

S2 Peptid-Hormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika
S2.1 Erythropoietine (EPO) und andere Wirkstoffe, die die Erythropoiese fördern
S2.1.1 Erythropoietin-Rezeptor-Agonisten, z.B.
• Darbepoetin (dEPO, z.B. Aransep®),
• Erythropoietin(e), Epoetin(e) (EPO, z.B. Abseamed®, Binocrit®, Eporatio®, Erypo®, NeoRecormon®, Retacrit®)
• EPO-basierte Konstrukte, z.B. EPO-Fc (Fusionsprotein), Methoxy-polyethylenglycol-Epoetin-beta = CERA® = Continous Erythropoiesis Receptor Activator, z.B. Mircera®, in Ö n.reg.)
• EPO-Mimetika und Konstrukte daraus (vormals EPO-mimetische Peptide, EMP), z.B. CNTO 530, Peginesatide
S2.1.2 Den Hypoxie-induzierbaren Faktor (HIF) aktivierende Wirkstoffe, i.e.S.
• Argon,
• Kobalt,
• Molidustat,
• Roxadustat (vormals FG-4592, ASP1517),
• Xenon
Anmerkungen:
• Nach der schrittweisen Entwicklung der Gruppe seit der Winterolympiade in Sotschi 2014 wurde 2017 in HIF-Stabilisatoren (Kobalt, Molidustat, Roxadustat) und HIF-Aktivatoren (Argon, Xenon) unterschieden, 2018 werden sie doch in eine gemeinsame Gruppe zusammengefasst.
• Wie auch im Vorjahr betont die WADA, dass das Kobalt enthaltende Vitamin B12 nicht von den Dopingbestimmungen betroffen ist, die Supplementierung mit Vitamin B12 ist uneingeschränkt möglich; 500 Mikrogramm (µg) Cobalamin entsprechen dabei 22 µg Kobalt. Die tägliche Zufuhr mit der normalen Ernährung wird mit 5-40 µg angegeben (USA); die resultierende Ausscheidung im Harn beläuft sich auf 0,1-2,0 Nanogramm (ng) Co pro Milliliter Harn.
• Derzeit sind Forschergruppen damit befasst eine Korrelation zwischen einer mutmaßlich leistungssteigernden Kobalt-Zufuhr und einer entsprechenden Ausscheidung im Harn, die dann als Grenzwert definiert werden würde, herauszufinden. Restriktiven Untersuchungen zufolge gibt es keine merkbaren – d.h. weder den Stoffwechsel- oder die Blutbildung steigernde noch toxikologisch relevante Wirkungen – bis zu einer täglichen Kobalt-Zufuhr von 600 µg; andere Autoren sehen diese Schwelle erst bei 30 µg/kg KG, also z.B. bei 2100 µg Co pro Tag für eine 70 kg schwere Person.
• In einer Pilotstudie zur Ermittlung von Kobalt-Grenzwerten im Harn wurden ergab sich sowohl in der Gruppe, die nur eine einzige Gabe erhielt und der Gruppe, die täglich 500 µg Cobalt(II)chlorid über fünf Tage supplementierte, ein ähnliches Bild: Innerhalb der ersten Stunden stiegen die Harnwerte auf bis über 300 ng/ml an, um dann bis zum Ablauf von 24 Stunden rasch wieder auf unter 100 ng/ml abzufallen. 48 Stunden nach der Einmalgabe beträgt der Wert immer noch >20 ng/ml. Jene Probanden, die über fünf Tage vermessen wurden, pendelten sich mit ihren Co-Werten im Harn über den Zeitraum tendenziell leicht ansteigend zwischen 50 und 100 ng/ml ein.
• Die Zufuhr von 500 µg Vitamin B12 peroral ergibt hingegen praktisch keine Veränderung der Ausscheidungskonzentrationen an Co im Harn verglichen mit der nicht supplementierenden Normalbevölkerung.
• Um für die Zwecke des Sports einen genügend großen Puffer in Bezug auf unerlaubte leistungssteigernde Effekte zu schaffen, wird ein Grenzwert von 14 ng/ml Kobalt im Harn vorgeschlagen. Ein weiterer zur Disposition stehender Referenzwert bezieht das Element Cadmium mit ein.
• Die aktuelle AustriaCodex-Fachinformation führt Kobalt in Form des Co(II)-Chlorids in Nährlösungen zur parenteralen Ernährung (z.B. Pediaven® Glucose) sowie Cobaltum metallicum und nitricum in homöopathischen Arzneispezialitäten (Stärkungsmittel Similasan®, Dalektro® Tropfen, Deasth spag. Peka® Tropfen) an. Die Nährlösungen scheiden weniger wegen des Kobalt-Gehaltes als vielmehr wegen der Arzneiform „Infusion“ abgesehen von wenigen klinischen Anwendungen für Sportler aus. Die drei Homöopathika sind (mit Deckung durch die Medikamentenabfrage auf der NADA-Homepage) hingegen für Sportler uneingeschränkt verwendbar. Dabei findet sich die niedrigste Potenzstufe mit D4 im Präparat Deasth®, die anderen beiden Formulierungen enthalten Co in der D12. Will nun ein Sportler das Produkt Deasth® nutzen und bewegt sich dabei im empfohlenen Dosierungsrahmen von 4-mal 20 Tropfen, so entsprechen die 80 Tropfen laut der AC-FI einer Tageszufuhr von 2 ml des Fertigproduktes, das pro ein Milliliter 0,155 g Cobaltnitrat in der D4 enthält. Überschlägt man die absoluten Mengen, so kommt man auf 0,000031 g = 31 µg Cobaltnitrat pro Tag, was sich der Größenordnung der Co-Freisetzung aus den 500 µg Vitamin B12 bewegt. Ähnlich verhält es sich mit anderen Kobalt-Lösungen wie den Phytopharma-Produkten Das Juwel® und Oligo Element Cobalt® sowie dem Präparat Oligovita Element 4 Cobalt®. Das Juwel® ist mit 5,78 mg Kobalt pro Liter sehr niedrig dosiert (es enthält eine Reihe weiterer Spurenelemente). Hält man die vorgeschlagene Dosierung von 3-mal 15 = 45 Tropfen 2,25 ml täglich ein, so entspricht dies einer Co-Zufuhr von 0,013 mg, also 13 µg/Tag und somit weniger als 500 µg Vitamin B12 an Kobalt einbringen würden. Die beiden anderen Produkte enthalten 100 mg Co pro Liter; bei gleicher Dosiswahl entspricht dies folglich 225 µg Co, also nicht ganz der Hälfte des Wertes, der in der oben beschriebenen Studie gewählt wurde. Selbst unter Hinzurechnung der diätetischen Co-Zufuhr bewegt man sich deutlich unterhalb des wirkungsrelevanten Bereiches. Höhere Dosierungen, z.B. zur raschen Auffüllung der Co-Speicher innerhalb von 3-4 Wochen mit Mengen um 5 ml der Lösungen, entsprechend 500 µg Co täglich, sind unter Hinzurechnung der Zufuhr mit der Ernährung aber für Sportler, namentlich für Poolsportler, nicht zu befürworten, weil sich die im Harn ausgeschiedenen Mengen analog der Studie deutlich erhöht einpendeln. Mehr Klarheit wird erst bestehen, wenn die WADA einen verbindlichen Grenzwert festlegt.
S2.1.3 GATA-Inhibitoren, z.B. K-11706, K-7174
Anmerkung: Die Strukturformel von K-11706 ist weiterhin ein gut gehütetes Geheimnis.
S2.1.4 Hemmstoffe des Transforming Growth Faktor beta (TGF-), z.B. Sotatercept, Luspatercept
S2.1.5 Agonisten an natürlichen Reparatur-Rezeptoren (vormals nicht-erythropoietische EPO-Rezeptor-Agonisten) z.B. Asialo-EPO, Carbamyliertes EPO (CEPO)
Anmerkungen:
• Erythropoietin und seine Weiterentwicklungen inklusive der nicht die Erythropoiese stimulierenden Reduktionsformen wurden in der Österr. Apoth. 2016, 66 (26), 40-48 ausführlich dargestellt.
• ARA-290 wurde per 2018 von der Verbotsliste wieder entfernt, weil es derzeit keine Hinweise gibt, dass dieses aus EPO herausmodellierte Neuroprotektivum Wirkungen im Sinne von Doping entfalten kann. Als für die Belange des Sports nützliche Restwirkungen wären allenfalls zentral stimulierende Wirkungen zu unterstellen.
S2.2 Peptidhormone und Hormon-Modulatoren
S2.2.1 Choriongonadotrop(h)in (CG) und Luteinisierendes Hormon (LH) bei männlichen Athleten samt den zugehörigen Releasing-Faktoren, z.B. Buserelin (z.B. Suprefact®), Desmorelin*, Gonadorelin (z.B. Kryptocur®, Lutrelef®), Goserelin* (z.B. Zoladex®), Leuprorelin (z.B. Eligard®, En/Six/Tren/antone®, Lutrate®), Nafarelin*, Triptorelin* (z.B. Decapeptyl®, Pamorelin LA®)
* 2018 neu aufgenommen
S2.2.2 Corticotrop(h)ine samt den zugehörigen Releasing-Faktoren, z.B. Corticorelin (z.B. CRH Ferring®, Diagnostikum)
S2.2.3 Wachstumshormon (Human Growth Hormon, hGH) inklusive seiner Fragmente und Releasing-Faktoren, i.e.S.
• Wachstumshormon-Fragmente*, z.B. AOD-9604*, hGh 176-191*
• Growth Hormone Releasing Hormone (GHRH) und seine Analoga, z.B. CJC-1293*, CJC-1295, Sermorelin, Tesamorelin,
• Growth Hormone Sekretagoga (GHS), i.e.S.
o Ghrelin
o Ghrelin-Mimetika, z.B. Anamorelin, Ipamorelin, Tabimorelin*
• Growth Hormone-Releasing-Peptide (GHRPs), z.B. Alexamorelin, GHRP-1*, GHRP-2 (Pramorelin), GHRP-3*, GHRP-4*, GHRP-5*, GHRP-6, Hexarelin
* 2018 neu aufgenommen
S2.3 Wachstumsfaktoren und Wachstumsfaktor-Modulatoren* (vormals Andere Wachstumsfaktoren), z.B.
• Fibroblast Growth Factors (FGFs),
• Hepatocyte Growth Factor (HCF),
• Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) und seine Analoga,
• Mechano-Growth-Faktors (MGFs),
• Platelet-Derived Growth Factor (PDGF),
• Thymosin-4* und seine Derivate, z.B. TB-500*
• Vascular-Endothelial Growth Factor (VEGF)
sowie
alle anderen Wachstumsfaktoren und Wachstumsfaktor-Modulatoren*, die in irgendeiner Art und Weise die Bildung von Muskeln, Bändern und Sehnen beeinflussen, ferner Faktoren, die mit der Vaskularisierung von Organen, i.e.S. der Muskeln zu tun haben oder Faktoren, die die Energienutzung und die regenerative Kapazität beeinflussen oder in Muskelzellen einen Faserswitch herbeiführen.
* 2018 neu aufgenommen
Anmerkung: Das Zytokin Transforming growth factor beta (TGF-ß) gehört zur Gruppe der Transforming growth factors. TGF- hat primär mit Abläufen während der Embryogenese zu tun und regelt grundlegende Zellfunktionen im adulten Organismus. Man könnte TGF- unter S2.3 eingliedern. Von praktischer Relevanz im Sinne von Doping ist jedoch seine Blockade, die bereits als EPO-Untergruppe S2.1.4 definiert wurde.

S3 Beta-2-Agonisten
z.B. Fenoterol (z.B. Berotec®, in Berosual(in)®), Formoterol (siehe Anmerkungen), Higenamin (Syn. Norcoclaurin, nicht-selektiver Beta-2-Agonist aus Tinospora crispa, einem Mohnsamengewächs und anderen Pflanzen, der vermehrt in Nahrungsergänzungsmitteln auftaucht), Indacaterol (in Ultibro®), Olodaterol (Striverdi®, in Spiolto®), Procaterol, Reproterol, Salbutamol (siehe Anmerkungen), Salmeterol (siehe Anmerkungen), Terbutalin (z.B. Bricanyl®), Tulobuterol*, Vilanterol (z.B. in Anoro®, in Relvar®)
* 2018 neu aufgenommen, Anmerkungen (z.T. Wiederholung aus den Vorjahren):
• Um in der Praxis einen vernünftigen therapeutischen Zugang zu Erkrankungen des asthmatischen Formenkreises zu haben, gewährt die WADA bereits seit einigen Jahren Ausnahmebestimmungen bei den Wirkstoffen Formoterol (Dosierung 54 μg/24 Stunden bzw. Grenzwert 40 ng/ml Urin, z.B. Foradil®, Forair®, Oxis®), Salbutamol (Dosierung 1600 μg/24 Stunden bzw. Grenzwert 1000 ng/ml Urin, z.B. Novolizer Salbutamol®, Sultanol®) und Salmeterol (z.B. Serevent®). Für Letzteres wurden erst 2017 konkrete Dosierungsangaben erlassen, wonach die inhalierten Dosen innerhalb von 24 Stunden 200 μg nicht überschreiten dürfen, was im Einklang mit den Dosierungsangaben der Hersteller steht. Bezüglich der Urinkonzentrationen bei Salmeterol meint man, dass Konzentrationen bis zu 10 mg/Liter Harn mit dem oberen Dosierungsrahmen von 200 μg/Tag korrelieren. Die Doping-Kontrolllaboratorien, sind deshalb angewiesen, erst Werte über 10 mg/Liter zu melden.
• Bereits 2017 wurde darauf hingewiesen, dass bei Salbutamol die gesamte Tagesdosis nicht im Rahmen einer einzigen Anwendung verabreicht werden soll, weil es dann zu Überschreitungen der tolerierten Grenzwerte kommen kann. Ausdrücklich wird daher die Aufteilung der maximalen Tagesmenge von inhalierten 1600 µg auf mindestens zwei Dosen im Abstand von 12 Stunden empfohlen, bei denen 800 μg jeweils nicht überschritten werden sollen. Da diese Vorgaben scheinbar Unklarheiten auslösen, wird die sichere Vorgehensweise 2018 im WADA-Kommentar sogar anhand einer Grafik erläutert: Innerhalb von 12 Stunden ist es mit den handelsüblichen Produkten statthaft bis zu 4-mal 200 µg Wirkstoff, entsprechend maximal 4 Sprühstößen, anzuwenden; auf 24 Stunden hochgerechnet erlaubt die Regelung daher 2-mal bis zu 4-mal die 200 µg als inhalierte Einzeldosis, in Summe also acht Sprühstöße pro Tag.
• Ebenfalls nicht neu ist der Hinweis, dass die SportlerInnen bei Überschreiten der zugelassenen Urinkonzentrationen an den drei genannten frei verwendbaren Beta-2-Agonisten mittels einer pharmakokinetischen Studie nachweisen dürfen, dass ihr Metabolismus nur eine verlangsamte Ausscheidung der betreffenden Wirkstoffe zuwege bringt.
• Angesichts dieser offenbar relevanten Unklarheiten nimmt es nicht wunder, dass selbst ein Topsportler wie der britische Radprofi Chris Froome in die Dopingfalle geraten sein könnte, indem er das bei indikationsgerechter Verwendung freigestellte Asthmamittel Salbutamol zu oft anwendete. Immerhin lag die nachgewiesene Konzentration im Bereich des Doppelten der des erlaubten Grenzwertes. Froome ist aber entschlossen, sich mittels der beschriebenen pharmakokinetischen Studie von allen Vorwürfen reinzuwaschen. Der Streit bezüglich der Testergebnisse und der möglichen Konsequenzen wird die Experten jedenfalls noch lange beschäftigen!

S4 Hormon- und metabolische Modulatoren
S4.1 Aromatase-Inhibitoren, z.B.
4-Androsten-3,6,17-trion (6-oxo), Aminoglutethimid, Anastrozol (z.B. Arimidex®), Androstatriendion, Arimistan , Exemestan (z.B. Aromasin®), Formestan, Letrozol (z.B. Femara®), Testolacton
S4.2 Selektive Estrogen Rezeptor Modulatoren (SERMs) , z.B.
Raloxifen (z.B. Evista®), Tamoxifen (z.B. Nolvadex®), Toremifen
S4.3. Andere Antiestrogene, z.B.
Clomifen (z.B. Clomiphen Arcana®), Cyclofenil, Fulvestrant (z.B. Faslodex®)
S4.4. Stoffe, die die Funktionen von Myostatin beeinflussen, insbesondere die Hemmstoffe von Myostatin
S4.5. Metabolische Modulatoren
S4.5.1
• Aktivatoren der Achse PPAR-AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), z.B. AICAR, SR9009 (Rev-Erb--Agonist)*
• Peroxisomen-Proliferator-aktivierte -Rezeptor-Agonisten (PPAR), z.B. {4-[({4-Methyl-2-[4-(trifluormethyl)phenyl]-1,3-thiazol-5-yl}methyl)sulfanyl]-2-methylphenoxy}essigsäure* (GW1516, Syn. GW501516*),
* Systematisch-chemische Nomenklatur und Synonymbezeichnung 2018 neu aufgenommen
S4.5.2 Insuline und Insulin-Mimetika,
S4.5.3 Meldonium (Toleranzbereich 1-15 µg/ml Harn für weitere Untersuchungen),
S4.5.4 Trimetazidin (z.B. Vastorel®).

S5 Diuretika und maskierende Verbindungen
• Maskierende Verbindungen zuerst genannt, z.B. Desmopressin (Minirin®, Noctuma®, Nocutil®, Octostim®), Probenecid, Plasmaexpander, i.e.S. der intravenöse Gebrauch von Albumin (Albunorm®, Alburex®, Human Albumin® div. Hersteller, Optison®, Rhophylac®) , Dextran, Hydroxyethylstärke (Tetraspan®, Venofundin®, Volulyte®, Voluven®) und Mannitol (Mannit Fresenius®)
• Klassische Diuretika erst als zweiter Punkt, z.B. Acetazolamid (z.B. Acetazolamid Agepha®, Diamox®), Amilorid (z.B. in Amilostad HCT®), Bumetanid (z.B. Burinex Leo®), Canrenon (z.B. Aldactone® Injektionslösung), Chlorthalidon (z.B. Hydrosan®, Kombinationspräparate mit Beta-Blockern), Etacrynsäure, Furosemid (z.B. Lasix, zahlreiche Furosemid-Generika und Kombinationspräparate), Indapamid (z.B. Fludex®, mehrere Generika), Metolazon, Spironolacton (z.B. Aldactone® übrige Arzneiformen, in mehreren Kombinationspräparaten); Thiazide, z.B. Bendroflumethiazid, Chlorothiazid, Hydrochlorothiazid (z.B. HCT G.L.®, in zahlreichen Kombinationspräparaten), Triamteren (z.B. in Dytide H®); Vaptane, z.B. Tolvaptan (z.B. Jinarc®, Samscra®)
Die Ausnahmen in Bezug auf Drospirenon (Komponente in mehreren oralen Kontrazeptiva), Pamabrom sowie den Gebrauch von lokal wirksamen Hemmstoffen der Carboanhydrase wie Dorzolamid (Dorlazept®, Dorzo-Vision®, Trusopt®) und Brinzolamid (Azopt®, Brinzolamid Stada®, Brinzo-Vision®) in der Augenheilkunde bleiben bestehen, ebenso der lokale Gebrauch von Felypressin in der Zahnheilkunde.
Anmerkungen:
• Per 2018 wird Glycerin, das unter die Plasmaexpander gereiht war, von der Verbotsliste gestrichen, da es in der einschlägigen Literatur seit 2012 keine Hinweise auf eine nachhaltige missbräuchliche Wirkung im Sport gibt.
• Uneingeschränkt gültig bleibt jedoch die 2011 aufgenommene Bestimmung, dass bei Sportlern, die eine TUE für einen zu den S5 Maskierenden Verbindungen zählenden Wirkstoff besitzen, auch eine gültige TUE für Wirkstoffe, für die Grenzwerte festgelegt sind, benötigen. Konkret nenn die WADA für 2018 Formoterol, Salbutamol, Cathin, Ephedrin, Methylephedrin und Pseudoephedrin. Gibt es keine TUE, könnte (theoretisch) wiederum mit Hilfe einer pharmakokinetischen Studie der Beweis erbracht werden, dass die Verwendung des maskierenden Stoffes nicht mit dem Metabolismus der mit einem Grenzwert versehenen Substanz korreliert.

Verbotene Methoden

M1 Manipulation mit/von Blut und Blutbestandteilen
M1.1 Blutdoping i.e.S.
Verboten ist die Verwendung/Einbringung oder Wiedereinbringung jeder auch noch so geringen Menge an autologem (d.h. aus körpereigener Quelle aufgebaut), allogenem = homologem (Quelle andere Menschen, z.B. Geschwister) oder heterologem (Quelle Tiere) Vollblut, ebenso Erythrozyten-Produkten gleichwelcher Quelle in den Blutkreislauf.

M1.2 Künstliche Sauerstoff-Träger
Verboten sind die künstliche Erhöhung der Aufnahme, des Transports und des Anflutens von Sauerstoff im Zielgewebe. Beispiele für künstliche Sauerstoff-Träger sind Perfluor-Kohlenwasserstoffe, Efaproxiral (RST13) sowie modifizierte Hämoglobine wie Blutersatzprodukte, die Hämoglobin enthalten oder mikroverkapseltes Hämoglobin.
Wie auch bereits in den vergangenen Jahren bleibt die Inhalation von Sauerstoff, nicht jedoch dessen intravenöse Zufuhr, von dieser Regelung ausgenommen.
M1.3 Drittens ist jede Form der intravaskulären Manipulation am/von Blut und an Blutkomponenten mit physikalischen oder chemischen Methoden verboten.
M2 Chemische und physikalische Manipulation
M2.1 Verfälschung oder auch nur der Versuch zur Manipulation sowie die Beeinflussung der Probenintegrität im Zuge von Dopingkontrollen,
z.B. Urin-Substitution (Eigenharn) oder -Austausch (Fremdharn), Manipulation mit Enzymen, z.B. Proteasen
M2.2 Intravenöse Infusionen sind grundsätzlich verboten. Von i.v.-Infusionen spricht man, wenn die Injektionsvolumina größer als 100 ml sind und innerhalb eines Zeitraumes von 12 Stunden verabreicht werden. Begründete Ausnahmen sind Infusionen im Zuge von Spitalsbehandlungen, chirurgischen Eingriffen oder klinischen Untersuchungen, die allesamt penibel dokumentiert werden müssen.
Anmerkung: Bisher lautete die Verbotsregel auf 50 ml pro 6 Stunden, was also keinen allzu großen Unterschied macht, jedoch die Anwendung von bestimmten Injektabilia, die ein größeres Trägerlösungsvolumen bis 100 ml benötigen, ermöglicht.

M3 Gendoping
Verboten sind
M3.1 die Übertragung von Nukleinsäure-Polymeren und Nukleinsäure-Analoga,
M3.2* der Gebrauch von Gene editierenden Wirkstoffen, die in der Lage sind Genomsequenzen oder die Transkription oder die epigenetische Regulation zu verändern.
* 2018 neu aufgenommen, Anmerkungen:
• Vor nicht allzu langer Zeit noch als „experimentelle Therapieform“ bezeichnet, hat der somatische Gentransfer, der eine kausale durch Gendefekte verursachte Erkrankungen ermöglichen soll, eine technische Ausreifung erfahren, die praktisch anwendbar ist und – wie nicht anders zu erwarten – auch vor missbräuchlichen Konzepten nicht Halt macht. Im Sinne einer Substitutionstherapie werden Patienten bzw. den gegenständlichen (Hochleistungs)Sportlern intakte Genkopien zugeführt. Im Idealfall kann der Proband dann das fehlende Protein wieder von selbst bilden bzw. wie im Falle der missbräuchlichen Anwendung im Sport vermehrt produzieren. Für die Übertragung bedient man sich so genannter Vektoren, die als Gentransfer-Arzneimittel unter das Arzneimittelgesetz fallen. Für bestimmte therapeutische Fragestellungen müssen die jeweils besten Vektoren mit spezifischen Stärken aber auch Schwächen ermittelt werden. Häufig bedient man sich dabei viraler Vektoren, die durch ihre natürlichen Infektionsmechanismen die therapeutischen bzw. zu übertragenden Gene besonders effizient in die Probandenzellen einschleusen. Der Transport von DNA in eine Zelle mit Hilfe eines Virus wird auch als Transduktion bezeichnet und Zellen, die solche DNA tragen, als transduzierte Zellen. Beispielsweise kann die übertragene genetische Information wie bei Retroviren in das Chromosom eingebaut werden (was im Falle der HIV-Infektion völlig ungewollt passiert). Bei Adenoviren als Gentransfer-Arzneimitteln wird das DNA-Stück extrachromosomal in Form eines so genannten Episoms abgelegt; für eine lang anhaltende Expression sollte die Empfängerzelle das Transgen in der Folge selbsttätig in ihr Genom integrieren.
• Grundsätzlich ist eine In-vivo- und eine Ex-vivo-Gentherapie zu unterscheiden. Bei der In-vivo-Gentherapie wird der Gentransfer-Vektor im Probanden direkt appliziert, wobei es schwierig ist, das therapeutische Gen zu bestimmten Zielzellen zu dirigieren. Alternativ kann man dem Probanden punktgenau die Zielzellen entnehmen, diese ex vivo modifizieren und dem Probanden reinfundieren. Abzuwarten bleibt dann, ob der Körper die Zellen dann gut in die Gewebe, aus denen sie ursprünglich stammten, reimplantieren kann. Wird die Nukleinsäure nicht dauerhaft als Zellbestandteil fixiert, kann sie nur vorübergehend abgelesen und transkribiert werden, ehe sie abgebaut wird.
• Es gibt auch Gene, bei denen die Information darüber, ob das Gen in den Tochterzellen aktiviert oder reprimiert werden soll, nicht direkt im Gen vorliegt oder durch das Gen vermittelt wird, sondern durch die Transkriptionsfaktoren, die es regulieren. Die Transkriptionsfaktoren werden sozusagen „mitvererbt“. Mit diesen Mechanismen beschäftigen sich die Epigenetik und das Imprinting. ,
• Missbräuchliche Targets im Sport sind die vermehrte Produktion von Erythropoietin (S2.1), Wachstumshormon (S2.2.3) oder der verschiedenen Wachstumsfaktoren (S2.3), jedoch sind auch Myostatin unterdrückende (S4.4) und Insulin verstärkende Proteine (S4.5.2) oder das Schmerzempfinden regulierende Stoffe (in der Pipeline?) im Auge zu behalten.
M3.3 (bisher M3.2) die Anwendung normaler oder genetisch veränderter Zellen

Sektion II: Substanzen und Methoden, die im Wettkampf verboten sind, „In-Competition“
Alle Substanzen und Methoden der Sektion I zuzüglich

S6 Stimulanzien
S6.a Nicht spezifizierte, d.h. rigoros verbotene Stimulanzien
z.B. Adrafinil, Amfepramon, Amfetamin, Amfetaminil, Amiphenazol, Benfluorex, Benzylpiperazin, Bromantan, Clobenzorex, Cocain, Crotetamid, Fencamin, Fenetylin, Fenfluramin (früher Ponderax®; Dexfenfluramin, früher Isomeride®), Fenproporex, Fonturacetam (Syn. 4-Phenylpiracetam, Carphedon), Furfenorex, Lisdexamfetamin, Mefenorex, Mephenteramin, Mesocarb, d-Metafetamin, p-Methlamphetamin, Modafinil (z.B. Modasomil®), Norfenfluramin, Phendimetrazin, Phentermin, Prenylamin, Prolintan
Anmerkung: S6.a ist eine endliche Aufzählung, d.h. nur die hier angeführten Substanzen fallen unter die unbeugsamen Bestimmungen im Sinne der Prämisse. Die unter S6.b genannten Wirkstoffe sind beispielhaft und nicht-spezifiziert, was natürlich keinesfalls einen Freibrief für ihre Anwendung bedeutet. Für die Apothekenarbeit ist zu beachten, dass einige Vertreter in Erkältungsmitteln und den Kreislauf anregenden Arzneimitteln enthalten sind, deren Absetzen zur Wettkampfzeit geboten ist bzw. für die wie z.B. im Fall des Notfalltherapeutikums Epipen® oder des Parkinsonmittels Jumex® eine TUE einzuholen ist. Etwas weniger heikel sind jene Wirkstoffe, die auch 2018 ins Monitoring Programm ausgelagert sind, weil hier nur anonym protokolliert, jedoch nicht weiterverfolgt und abgestraft wird. Im Sinne des verantwortungsvollen Umgangs mit Arzneimitteln sollten Sportlerinnen und Sportler aber dahingehend geschult werden, dass die Anwendung der einschlägigen Produkte im Sport grundsätzlich bedenklich und zu vermeiden ist.
S6.b Spezifizierte Stimulanzien, z.B. 1,3-Dimethylbutylamin*, 4-Methylhexan-2-amin (Syn. Methylhexanamin), Benzfetamin, Cathin (verboten ab einer Urinkonzentration >5 Mikrogramm [µg] pro Milliliter [mI]), Cathinon und seine Analoga wie Mephedron, Methadrone, -Pyrrolidinovalerophenon, Dimethylamphetamin, Ephedrin (verboten ab einer Urinkonzentration > 10 µg/ml), Epinephrin (z.B. Adrenalin Aguettant®, Epipen®, Jext®, L-Adrenalin Fresenius®, Suprarenin®, jedoch Ausnahmen in Lokalformulierungen, siehe unten), Etamivan, Etilamfetamin, Etilefrin (z.B. Effortil®), Famprofazon, Fenbutrazat, Fencamfamin, Heptaminol, p-Hydroxyamphetamin, Isomethepten, Levmetafetamin, Mecolfenoxat, Methylendioxyamphetamin, Methylephedrin (wie Ephedrin, d.h. verboten ab einer Urinkonzentration >10 µg/ml), Methylphenidat (z.B. Concerta®, Medikinet®, Ritalin®), Nikethamid, Norfenefrin, Octopamin, Oxilofrin (Syn. Methylsynephrin), Pemolin, Pentetrazol, Phenylethylamin und seine Derivate, Phenmetrazin, Phenpromethamin, Propylhexedrin, Pseudoephedrin, (z.B. in Aspirin complex®, Clarinase®, Doloflu®, Wick Daymed Duo®, verboten ab einer Urinkonzentration >150 µg/ml), Selegilin (z.B. Jumex®), Sibutramin (früher Reductil®), Strychnin
* 2018 neu aufgenommen
Ausnahmen
• Epinephrin (Syn. Adrenalin) in Lokaltherapeutika, z.B. Nasentropfen, Augentropfen oder in Kombinationspräparaten mit Lokalanästhetika (z.B. in Ultracain®, in Xylanest®)
• Clonidin (z.B. Catapresan®)
• Imidazol-Derivate für die topische bzw. ophthalmologische Anwendung und jene Stimulanzien, die im Monitoring Programm 2018 erwähnt sind
Anmerkung: Erlaubt sind sämtliche lokal abschwellenden Nasen- und Augentropfen-Formulierungen ausgenommen das Produkt Fentrinol® (Wirkstoff Amidephrin), das zur Wettkampfzeit verboten ist.

S7 „Narkotika“, ins Deutsche besser übersetzt mit „Schmerzmittel vom Opioid-Typ“
Buprenorphin (z.B. Astec®, Bupensan®, Subutex®, Temgesic®, Transtec®, mehrere Buprenorphin-Generika), Dextromoramid, Diamorphin (Syn. Heroin), Fentanyl (z.B. Actiq®, Durogesic®, Lafene®, Vellafent® sowie zahlreiche weitere Fentanyl-Generika) und seine Derivate, Hydromorphon (z.B. Hydal®, mehrere Hydromorphon-Generika), Methadon (z.B. Methasan®, inklusive Levomethadon, z.B. Levo-Methasan®, L-Polamidon®), Morphin (z.B. Compensan®, Morapid®, Mundidol retard®, Oramorph®, Substitol®, Vendal®), Nicomorphin, Oxycodon (Oxycodon-HCl rtp®, Oxycontin®, Oxygerolan®, Oxynorm®, in Targin®), Oxymorphon , Pentazocin, Pethidin (z.B. Alodan®)
Anmerkung: Endliche Aufzählung, jedoch nicht den spezifizierten Substanzen zugehörig; im Übrigen keine Veränderung gegenüber 2017

S8 Cannabinoide
• Natürliche Cannabinoide (bisherige Nomenklatur: Cannabinomimetika), z.B. Cannabis, Haschisch, Marijuana
• Synthetische Cannabinoide, z.B. 9-Tetrahydrocannabinol (THC, z.B. Dronabinol®) und andere Cannabinomimetika, z.B. Spice, JWC-018, JWC-073, HU210
Anmerkungen:
• Die Rubrik S8 wurde ebenfalls durchgreifend umgestellt, indem THC und die Cannabinomimetika nunmehr als synthetische Cannabinoide bezeichnet werden. Die WADA räumt ein, dass die angeführten Beispielsubstanzen derzeit von untergeordneter Bedeutung sind. Gewissermaßen aus erzieherischen Gründen bleiben sie für Sportler zur Wettkampfzeit weiterhin verboten.
• Cannabidiol (CBD) wird per 2018 aus der Verbotsliste genommen. Während THC eine psychoaktive Substanz ist und den Rausch auslösenden Hauptbestandteil der Cannabis-Pflanze ausmacht, stammt CBD zwar ebenfalls aus den weiblichen Hanfpflanzen und wirkt gegen Übelkeit, krampflösend und entzündungshemmend, ist aber praktisch nicht psychoaktiv. Die WADA weist aber darauf hin, dass Cannabidiol, das aus Haschischpflanzen extrahiert wird, aller Voraussicht nach mit THC vergesellschaftet sein wird, sodass dieser Extrakt dann sowohl den Verbotsregeln unterworfen ist. Im Übrigen ist THC sehr lange nachweisbar.

S9 Glucocorticoide, Glucocorticosteroide, „Cortison“
z.B.* Betamethason (z.B. Betnesol® Brausetabletten, Diprophos®, Solu-Celestan®), Budesonid (z.B. Budo-San®, Cortiment®, Entocort®), Cortison, Deflazacort, Dexamethason (z.B. Dexabene®, Fortcortin®, InfectoDexaKrupp®), Fluticason (nur in Lokaltherapeutika, Vorsicht bei Kombinationspräpraten bezüglich der Wahl des Beta-2-Mimetikums), Hydrocortison (z.B. Colifoam® Rektalschaum, Hydrocortone®), Methylprednisolon (z.B. Metasol®, Solu-Medrol®, Urbason®), Prednisolon (z.B. Aprednislon, Prednisolon Agepha®/Nycomed®, Prednisolut®, Solu-Dacortin®), Prednison, Triamcinolon (z.B. Solu-Volon A®, Trispan®, Volon [A]®)
* Die Aufzählung einiger Beispielsubstanzen 2018 ist neu und erfolgt einmal mehr mit dem Hinweis, dass dadurch mehr Klarheit geschaffen werden soll.
Anmerkungen:
• Alle Glucocorticoide sind verboten für die orale, intravenöse, intramuskuläre und rektale Anwendung
• Glucocorticoide sind für die lokale Anwendung freigestellt, z.B. für die inhalative Therapie des Asthma bronchiale, von chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen sowie bei entzündlichen Erkrankungen des Halte- und Stützapparates (intraartikulär, periartikulär, peritendinös, epidural, intradermal).
• Glucocorticoide sind für die lokale Anwendung auf der Haut freigestellt.

Sektion III: Substanzen, die in bestimmten Sportarten verboten sind

P1 Betablocker (vormals P2) inklusive gemischte -/-Blocker, keine Veränderungen gegenüber 2017
• z.B. Acebutolol, Alprenolol, Atenolol (z.B. Atenolan®, Tenormin®, mehrere Generika und Kombinationspräparate mit Diuretika), Betaxolol, Bisoprolol (z.B. Bilokord®, Bisostad® und weitere Generika, Concor [Cor]®), Bunolol, Carteolol, Carvedilol (z.B. Dilatrend®, mehrere Carvedilol-Generika), Celiprolol, Esmolol (z.B. Brevibloc®, Esmolol Amomed®), Labetalol (z.B. Trandate®), Levobunolol (nur in Augen-Formulierungen), Metipranolol, Metoprolol (z.B. Beloc®, Lanoc®, Metohexal® und weitere Metoprolol-Generika, Seloken®), Nadolol, Nebivolol (scheint auf der WADA-Liste expressis verbis nicht auf, z.B. Nebilan® und weitere Nebiprolol-Generika, Nomexor®), Oxprenolol, Pindolol (z.B. Visken®), Propranolol (z.B. Hermangiol®, Inderal®), Sotalol (z.B. Sotacor®, Sotahexal®, Sotastad®), Timolol (nur in Augen-Formulierungen)
• Grundsätzlich im Wettkampf verboten: Bogenschießen*, Automobilsport, Billard, Darts, Golf, Schießdisziplinen*, Skisportdisziplinen, Snowborddisziplinen (inkl. Freestyle, Halfpipe), Skispringen
• In den mit * bezeichneten Disziplinen auch im Training, d.h. also jederzeit, verboten

Anmerkung: Die vormalige Rubrik P1 Alkohol wurde nach sorgfältiger Abwägung gestrichen. Die Praxis zeigte, dass Alkohol-Konsum nicht wirklich ein Problem in Bezug auf Doping ist. Die WADA geht daher den Weg, die Einhaltung des bisherigen Alkohol-Verbots im Wettkampf im Bogenschießen, in Luftsportarten, im Motorsport und in Motorbootdisziplinen auf die entsprechenden vier Internationalen Sportverbände (IF) zu übertragen, die auch Kompetenzen in Bezug auf die Festlegung neuer Regeln, Grenzwerte oder Strafbestimmungen bekommen sollen. Die Nationalen Anti-Doping-Behörden sind von Kontrollen dispensiert und mögen die IF bei dieser Aufgabe unterstützen.

Monitoring-Programm

Bekannterweise stellt das alljährlich adaptierte Monitoring-Programm (MP) ein Experimentierfeld dar, mit dem die WADA einerseits zeigen kann, dass sie bezüglich aller möglichen Trends up-to-date ist, es sich aber andererseits mangels harter Beweislagen vorbehalten möchte, die entsprechenden Substanzen sofort auf die Verbotsliste zu stellen. Über einen gewissen Zeitraum, der ein bis mehrere Jahre dauern kann, sind die Doping-Kontrolllaboratorien angehalten, die Messungen ohne weitere Meldungen oder Sanktionen zu protokollieren. Da das MP stets große Bedeutung für die Arzneitherapie und die Apothekenpraxis hat, sei es unter Nennung einiger in Österreich zugelassener Arzneispezialitäten wiedergegeben.
Beobachtung während des Wettkampfes
• Aus den Stimulanzien Bupropion (z.B. Carmubine®, Wellbutrin®), Coffein (z.B. Coffekapton®, in mehreren Analgetika-Kombinationen), Nikotin (z.B. Nicorette®, Nicotinell®, Niquitin®), Phenylephrin (z.B. in Influbene® Granulat, in Mexalen complex®, in NeoCitran®), Phenylpropanolamin (nur in Veterinär-Spezialitäten), Pipradrol, Synephrin (z.B. Sympatol®, in Ö außer Verkehr)
• Aus den „Narkotika“ Codein (z.B. in Resyl mit Codein®), Hydrocodon*, Tramadol (z.B. Tramal®, Tramabene®, Tramastad® und zahlreiche weitere Tramadol-Generika, in Tradocomp®, Zalidar®)
• Glucocorticosteroide: Beobachtung aller Verabreichungsformen für die Ausnahmebestimmungen bestehen (also die lokalen Anwendungen zur Entzündungshemmung in Gelenken, an Sehnen etc. sowie die Inhalationstherapeutika bei Atemwegserkrankungen)
Beobachtung während der Trainingsperiode und während der Wettkämpfe
• Glucocorticosteroide: Alle Anwendungsformen, v.a. die orale, intravenöse, intramuskuläre und rektale Anwendung, die in der Wettkampfzeit ohnedies verboten sind, aber auch jene Applikationen, für die Ausnahmebestimmungen bestehen
• 2-Ethylsulfanyl-1H-benzimidazol (Bemitil)*
• Beta-2-Agonisten: Gleichzeitiger Gebrauch mehrerer Beta-2-Agonisten
* 2018 neu aufgenommen
Anmerkungen:
• Mitragynin und Telmisartan wurden 2018 wieder aus der Evidenz gestrichen
• Bemitil (z.B. Metaprot® 250 mg, empfohlene Dosierung 2-mal täglich 1 Kapsel nach einer Mahlzeit, bei Personen >80 kg bis 1000 mg/Tag, nach 5 Tagen „Ladungsphase“ 2 Tage Pause einlegen) wurde in den 1970-er Jahren am Pharmakologischen Institut der Russischen Militärakademie entwickelt und ist im Westen bisher praktisch unbekannt. In seiner Eigenschaft als Adaptogen mit nootropen und antihypoxischen Wirkungen vergrößert es die physische und mentale Leistungsfähigkeit ohne Erhöhung des Sauerstoff-Bedarfs und der Wärmeabgabe und wird dementsprechend im Zuge von hoch belastenden militärischen Einsätzen und in der Raumfahrt eingesetzt. Für zivile Zwecke ist es in den Indikationen Schwächezustände, cerebrale Durchblutungsstörungen und kognitive Defizite zugelassen. Wirkungsmäßig würde man den nun unter Beobachtung der WADA gelangten Wirkstoff den S4.5 Metabolischen Modulatoren eingliedern. Neben der vermehrten Bildung von das Immunsystem unterstützenden Proteinen kommt es zu einer verstärkten Gluconeogenese und Erhöhung der Lactat-Verwertung. Lactat ist bekanntlich ein limitierender Faktor der vollständigen aeroben Glykolyse und der Leistungsfähigkeit. Die Summenwirkung ist eine Verbesserung der Kohlenhydrat-Verwertung sowie die vermehrte Bereitstellung des Hauptenergieträgers Adenosintriphosphat (ATP).
Wichtige Anmerkung: Dieser Text ersetzt das Kapitel 26.1 in der 3. Auflage 2017 des Aspiranten-Handbuches (Spezialitätenkunde, Teil 4, p. 113-119); bitte daher die entsprechenden Seiten austauschen. Zu Kombinationsmöglichkeiten mit den drei S3 Beta-2-Agonisten, für die Ausnahmebestimmungen bestehen, bleiben die Ausführungen im Kap. 26.2.1 gültig.